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Objekt des Monats

FossilienschrankInsektenkastenRotmilan



EINBLICKE IN DIE SAMMLUNGEN DES NATUR-MUSEUMS

Das Natur-Museum Luzern öffnet ein Fenster zu seinen verborgenen Schätzen und stellt an dieser Stelle einmal pro Monat ein Präparat aus den Sammlungen, den Dauerausstellungen oder ein Objekt des Bestimmungsdienstes vor:


 



Frosch
Nächstens im Museum!


Oktober 2017
Die Herbstzeitlose (Colchicum autumnale)

Die lila Blüten der Herbstzeitlosen sind die letzten Farbtupfer in wenig gedüngten und feuchten Spätherbstwiesen. Bereits im August kündigen sie - entsprechend ihrem Namen - den nahenden Herbst an und blühen bis in den Oktober. Blätter und Frucht erscheinen hingegen erst im Frühling bzw. Frühsommer, wenn die Blüte längst Vergangenheit ist. Die Art ist bei uns in der Schweiz eine der giftigsten einheimischen Pflanzen. Immer wieder gibt es sogar Todesfälle, weil Blätter von Bärlauch und Herbstzeitlose miteinander verwechselt werden. Der Pflanzenbeleg stammt aus dem Herbarium Lucernense, der Sammlung gepresster Pflanzen aus dem Kanton Luzern. Der Sammler, Dr. Hans Portmann, war Arzt im Entlebuch und passionierter Botaniker.

©Natur-Museum Luzern/Kantonsarchäologie Luzern

September 2017
Wertvolles Souvenir?
In den 1980er-Jahren brachten Touristen aus Marokko oft prächtig glitzernde Steine als Souvenir nach Hause. In einem Gesteinshohlraum aus Achat präsentiert sich eine Füllung aus metallisch glänzenden Bleiglanz-Würfelchen. Was zunächst hübsch aussieht, wirkt auf den zweiten Blick überraschend. Äusserst ungewöhnlich ist das Auftreten von Bleiglanz in solchen Geoden, und seltsam die teilweise stängelige Ausbildung. Bei näherer Betrachtung offenbaren sich die Bleiglanz-Würfelchen nicht als gewachsene Kristalle, sondern als mechanisch hergestellte, in den Hohlraum eingeklebte Spaltstücke. Und die Stängel sind mit Bleiglanz bepuderte Streichhölzer (!). Das als natürliche Bildung gekaufte Souvenir ist also keine wertvolle Erwerbung, sondern ein von Menschenhand geschaffenes Kunstprodukt - eine Fälschung …


Fälschung: Achatgeode mit Bleiglanz-Füllung (NML-Nr. 98-278)

August 2017
Die Gottesanbeterin (Mantis religiosa) - ein charismatisches Insekt, das Menschen seit jeher fasziniert

Die Gottesanbeterin ist nicht "nur" Objekt des Monats (August) im Natur-Museum Luzern, sondern ist das Insekt des Jahres 2017 für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Die Gottesanbeterin stammt ursprünglich aus Afrika, ist aber auch in Europa und Asien verbreitet und wurde sogar nach Nordamerika eingeschleppt. Sie gehört zu der Insektenordnung Mantodea (Fangschrecken), die weltweit rund 2500 Arten umfasst. Die Weibchen können bis zu 75 mm lang werden, während die Männchen mit einer Länge bis zu 60 mm, deutlich kleiner sind. Die Grundfärbung variiert von zartgrün bis braun-schwarz. Von August bis Oktober produzieren die Weibchen mehrere Eigelege, die sogenannten Ootheken. Die Larven schlüpfen im April. Gottesanbeterinnen ernähren sich ausschließlich räuberisch. Insekten wie Heuschrecken, Bienen, Wespen, Fliegen, Schmetterlingen, Wanzen, Käfer oder Spinnentiere gehören auf ihre Speisekarte. Manchmal werden sogar auch kleine Wirbeltiere wie Eidechsen, Mäuse und Frösche von ihr gefangen und verzehrt. Die Gottesanbeterin wird in fast allen Roten Listen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz als bedrohte Art geführt.


Die Gottesanbeterin (Mantis religiosa) - ein charismatisches Insekt, das Menschen seit jeher fasziniert, ©Natur-Museum Luzern

Juli 2017
Bernstein aus dem Ostseeraum

Im Frühling 1906 erwarb der damalige Konservator Dr. Hans Bachmann von Pastor Winkler aus dem Ostseebad Zopot mehrere Bernsteinstücke für die Museumssammlung. Dieses fossile Harz zeugt vom einstigen «Bernsteinwald» im heutigen Ostseeraum vor etwa 35 Millionen Jahren. Die von Nadel- und Laubbäumen abgesonderten Harze gerieten kurz nach ihrer Bildung in Ablagerungen unter Luftabschluss. und verfestigten sich über lange Zeit zu Bernstein. Oft wurden Insekten und andere Kleinlebewesen in den Harzen eingeschlossen, und ihre Form überdauerte bis heute. Bereits von Auge sind in den beiden Stücken Ameisen und Mücken erkennbar.


Bernstein aus dem Ostseeraum mit Einschlüssen (Objekte NML9011 & NML9025)

Juni 2017
Skalaride Form der Schwarzmündigen Schnirkelschnecke (Cepaea nemoralis L., 1758), eine seltene Gehäusemissbildung

Grundsätzlich ist das Verhältnis von Höhe zu Breite eines Schneckenhäuschens weitgehend spezifisch für eine bestimmte Schneckenart. So wird das Gehäuse einer Weinbergschnecke ungefähr ebenso breit, wie hoch, in einer Grössenordnung zwischen 30 und 50 mm. Es kommt jedoch bei bestimmten Schneckenarten eine seltene Form der Gehäusemissbildung vor, bei der das Gehäuse untypischerweise viel höher ist als im Normalfall. Ihre Windungen sind nicht so eng gewunden, wie bei normaltypischen Schnecken, sondern entlang der Schalenlängsachse gestreckt und gegeneinander treppenartig abgesetzt, so dass sich keine Naht zwischen den Windungen bildet. Diese Mutation manifestiert sich in einem hochaufgewundenen, turmförmigen statt kugeligem Häuschen. Diese abnorme Gehäuseform nennt man nach dem lateinischen Wort "scala" für Treppe eine skalaride Form. Es ist bis jetzt nicht bekannt, wie die skalaride Fehlbildung einer Schnecke entsteht. Während Geyer 1927 schrieb "durch eine von außen veranlasste Störung der Naht", so spricht viel dafür, dass es sich um eine genetische Fehlentwicklung handelt, aufgrund derer Mantel und Eingeweidesack nicht eng gewunden wachsen, sondern gestreckt und als Folge dessen auch das Gehäuse turmähnlich treppenartig gewunden wächst. Außer bei Weinbergschnecken und Schnirkelschnecken, kommt sie auch bei anderen Schneckenarten vor, selbst bei verschiedenen Meeresschneckenarten. Für die Schnecke stellt ihr fehlgeformtes Gehäuse kein gesundheitliches Problem dar, sie ist ebenso lebensfähig, wie eine normaltypische Schnecke.

Foto: Natur-Museum Luzern

Mai 2017
Der Zaunkönig, ein fleissiger Baumeister

Zaunkönig-Männchen bauen oval bis kugelförmig geschlossene Nester mit einem seitlichen Eingang; Größe und Baumaterial variieren je nach Standort. Das Kugelnest wird normalerweise aus Moos, trockenen Blättern, Farnwedeln, Stängeln und kleinen Ästen sowie Wurzeln gebaut. Das Männchen bildet durch feuchte Blätter zunächst Nestboden und Hinterwand und verstärkt das Ganze schließlich mit Halmen, Wurzeln und Ästen. Nachdem etwa eine Halbkugel gefertigt ist, baut es überwiegend mit feuchtem Moos weiter, bis die Kugel geschlossen ist. Manche Nester werden gänzlich nur aus Moos gefertigt. Das gezeigte Nest ist aus Hainbuchenblättern und Tannenästchen gebaut und wurde bei der Bushaltestelle Friedental im Winter in einer Hainbuche etwa 1m über dem Boden gefunden. Zaunkönig-Männchen bauen mehrere Nester im Rohbau, und lockt mit seinen Gesang Weibchen an. Wenn ein Weibchen sich für eines der Nester interessiert, polstert das Weibchen nach der Kopulation das Nest mit Moos, Wolle und Federn aus. Das vorliegende Nest ist ungepolstert und ist daher nicht für die Aufzucht verwendet worden.


Foto: Natur-Museum Luzern

April 2017
Weit gereister Wüstenstein
Der damals erste Geographielehrer der Kantonsschule Luzern, Prof. Dr. Josef Businger, brachte im Jahr 1910 mehrere Gesteine von einer Studienreise nach Nordafrika zurück. Besucht hatte er unter anderem die mit dem Zug erreichbare Ortschaft Béni Ounif an der Grenze zwischen Algerien und Marokko. Mehrere Kilogramm Wüstensteine fanden auf diese Weise per Bahn und Schiff ihren Weg nach Luzern und in die Geographie-Lektionen des jungen Lehrers. Die Kalksteine der Region zeigen netzartige Verwitterungsmuster auf ihrer Oberfläche, die durch Sandstürme entstanden sind.


Wüsten-Kalkstein mit Sanderosion (Objekt NML-Nr. 552/1971-2105)

März 2017
Märzenglöckchen (Leucojum vernum L.)

Wer kennt es nicht, das Märzenglöckchen: Es gehört zur den ersten Pflanzen, deren Blätter aus der Erde kommen, teilweise noch bevor der Schnee ganz weggeschmolzen ist. Diese Fähigkeit verdankt es den Nährstoffen, die in seiner Zwiebel gespeichert sind. Wenn die Tage länger werden und die Sonne Kraft bekommt, mobilisiert es diese Nährstoffe und beginnt zu wachsen und zu blühen. Die Art gehört zur Familie der Amaryllisgewächse und ist durch den Gehalt an verschiedenen Alkaloiden giftig. Die Zwiebel enthält dabei die höchste Konzentration an Giftstoffen. In der Schweiz ist das Märzenglöckchen vor allem als Zierpflanze aus Gärten bekannt. Es wächst aber auch wild auf feuchten Wiesen und in Auenwäldern. In der Hälfte der Schweizer Kantone ist es teilweise oder vollständig geschützt. Schon in vergangenen Jahrhunderten faszinierte es die botanischen Sammler. Der gut erhaltene, sorgfältig gepresste Beleg stammt aus dem Jahr 1852 und wurde vom Stadtschreiber Anton Schürmann (1832-1920) in Emmenbrücke gesammelt. Der Beleg ist Bestandteil des Herbarium Lucernense, das rund 26'000 Belege umfasst.

Foto: Natur-Museum Luzern

Februar 2017
Die Wasseramsel

Platsch! Eben stand der kleine braune Vogel mit dem weissen Latz noch auf einem Stein mitten im Fluss, nun hat er sich im Bruchteil einer Sekunde ins Wasser gestürzt und ist verschwunden. Unwillkürlich fragt man sich als Beobachter, was der Vogel wohl unter Wasser macht, und wann und wo er wieder auftaucht. Eines ist jedoch klar: Es muss sich um die Wasseramsel handeln, den einzigen Singvogel, der gerne taucht. Die Wasseramsel wurde von BirdLife Schweiz zum „Vogel des Jahres 2017“ gekürt. Sie ist der einzige Singvogel, der schwimmen und tauchen kann und scheut sich nicht, mitten durch einen Wasserfall zu fliegen. Ihr Lebensraum sind rasch fliessende, unverbaute Bäche und Flüsse mit störungsarmen Abschnitten. Sie ist somit ein perfekter Botschafter für die aktuelle BirdLife-Kampagne „Biodiversität im Siedlungsraum“, deren Schwerpunkt dieses Jahr die Gewässer sind.

Text: BirdLife Schweiz


Foto: BirdLife Schweiz

Januar 2017
Der Zitronenfalter (Gonepteryx rhamni) widersteht im Winter Frost und Schnee

Viele Schmetterlinge verbringen den Winter als Ei, Raupe oder Puppe, manchmal gut geschützt, manchmal auch völlig dem Wetter ausgesetzt. Manche Arten wie der Admiral oder der Distelfalter ziehen im Herbst wie Zugvögel in den Süden und kehren erst im Frühling wieder zurück. Manche, wie das Tagpfauenauge und der Kleine Fuchs, verkriechen sich als Falter in eine Gebäuderitze oder Felsspalte. Der Zitronenfalter überwintert als einziger erwachsener Tagfalter ungeschützt im Freien. Die Winterhärte erreicht er, indem er zunächst alles entbehrliche Wasser ausscheidet und so die Körperflüssigkeit konzentriert. Dann lagert er Frostschutzmittel ein, die den Gefrierpunkt weiter herabsetzen. Ohne dass sich in seinem Körper Eis bildet, kann der Zitronenfalter so Temperaturen bis zu -20 °C ertragen - vielleicht sogar noch tiefere, denn man weiss, dass er bis Sibirien als erwachsener Falter überwintert. Weil der Zitronenfalter frei im Geäst hängt, wird er als erster von der warmen Frühlingssonne geküsst. Bei mildem Wetter gaukelt er schon Ende Februar wieder durch die Gegend. Mitte April legen die Weibchen die ersten Eier auf Kreuzdorn und Faulbaum ab, und ab Ende Juni fliegen die Jungfalter von Blüte zu Blüte. Wenn sie ordentlich gefressen haben, fallen sie bis in den frühen Herbst in eine Sommerruhe. Vor dem Winter erwachen sie dann nochmals für kurze Zeit, fortpflanzen werden sich die jungen Zitronenfalter aber erst im nächsten Frühling. Winterliche wie sommerliche Ruhephase senken alle Lebensfunktionen auf ein Minimum. Wahrscheinlich leben Zitronenfalter deshalb aussergewöhnlich lange. Erwachsene Schmetterlinge werden als kurzlebige Wesen nämlich oft kaum älter als ein paar Wochen. Der Zitronenfalter dagegen überlebt mehr als ein ganzes Jahr, ein Rekord unter den einheimischen Schmetterlingen.


Foto: Natur-Museum Luzern

Dezember 2016
Schmerzhaftes «Stein-Ei»

Im Jahr 1895 schenkte ein Tierarztstudent aus Zürich dem damaligen Naturhistorischen Museum Luzern ein gut drei Kilogramm schweres «Ei» aus Stein. Es stammt aus dem Darm eines Pferdes und verursachte wohl schmerzhafte Koliken. Der Darmstein entstand höchstwahrscheinlich durch einseitige Fütterung des Tieres, denn häufiger Verzehr billiger Nebenprodukte aus der Mehlherstellung kann Darmsteine verursachen. Diese Beschwerden waren vor allem bei Pferden von Müllern und Bäckern unter der Bezeichnung «Müllerei-Pferde-Krankheit» bekannt. Das vorliegende «Stein-Ei» besteht aus dem Mineral Struvit aus der Mineralklasse der «Phosphate, Arsenate und Vanadate». Das Mineral enthält gleiche Teile von Ammonium, Magnesium und Phosphat und ist oft auch verantwortlich für Harnsteine bei anderen Haustieren oder beim Menschen.


Foto: Natur-Museum Luzern

November 2016
Die Asiatische Körbchenmuschel

Die Körbchenmuschel (Corbicula fluviatilis) ist ein neuer unwillkommener Einwanderer (Neozoa) in unseren Gewässern. Sie ist ein Zwitter, kann sich selbst befruchten und täglich mehrere hundert Larven produzieren.
Die bis 3 cm grosse olivgrüne bis braune Muschel stammt ursprünglich aus Südostasien und gelangte via die USA mit Frachtschiffen nach Europa. 1987 trat sie im Rhein erstmals bei Rotterdam auf.
Die Besiedlung der Schweiz erfolgte über Rheinfracht-Schiffe, welche die Muschellarven verschleppten, nach Basel, erste Nachweise gibt es von 1993.
Die Zentralschweiz wurde vermutlich durch Einschleppung der Larven durch Sportboote oder Wasservögel besiedelt, z. B. der Rotsee (erste Nachweise um 2006). Mittlerweile sind auch Funde aus der Ron, der Reuss und neu aus dem Vierwaldstättersee (Horwerbucht) bekannt geworden. Wie bei allen invasiven Neozoen liegt das Problem bei der raschen Vermehrung und der grossen Bestandesdichte: Körbchenmuscheln können im Sand- oder Kiesboden der Gewässer Dichten von mehreren zehntausend Tieren pro Quadratmeter erreichen. Das heisst, dass der Gewässerboden schliesslich mehrschichtig von Körbchenmuscheln überdeckt ist. Dabei sind nicht nur die lebenden Muscheln von Bedeutung, denn die leeren Schalen abgestorbener Muscheln bleiben jahrzehntelang liegen und bilden mit der Zeit mächtige Bänke. Ein ursprünglich feinkörniger Gewässerboden wird dadurch in ein grobkörniges Substrat aus lauter Muschelschalen umgewandelt. Tiere, die sich im feinen Schlamm eingraben wollen, finden hier keinen geeigneten Lebensraum mehr. Die Entwicklung der Körbchenmuschelbestände wird deshalb mit einiger Besorgnis verfolgt.

Nuklearer Störfall
Weil sie grosse Kolonien bildet, kann die Asiatische Körbchenmuschel zum Störfaktor werden. Wie vor Kurzem im Kernkraftwerk Leibstadt, wo Körbchenmuscheln die Kühlwasser-zufuhr stark beeinträchtigt haben. Nun müssen die Leitungen regelmässig gereinigt werden, was das Kraftwerk jährlich zusätzlich rund 50 000 Franken kostet.

© Natur-Museum Luzern

Oktober 2016
Das Mehlige Buckelschildchen (Peltula farinosa)

Das Mehlige Buckelschildchen (Peltula farinosa) ist eine 4 -14 mm kleine Flechte, die erst seit 1994 bekannt ist und bisher ausschliesslich als Bewohnerin von Halbwüsten- und Wüstengebieten galt. Im Oktober 2015 fand Dr. Karl Bürgi-Meyer im Südtessin am Steilhang über dem Lago Maggiore auf Fels einen Bestand von mehreren Hundert Individuen. Einige wenige bilden Fruchtkörper – eine selbst in den ursprünglichen Fundgebieten sehr seltene Erscheinung!
Die Flechte wurde von Burkhard Büdel 1990 erstmals in einem Wüstengebiet im Nordosten der Republik Südafrika gefunden und 1994 als eigenständige Flechtenart beschrieben. Weitere Fundmeldungen stammen aus Wüsten- und Halbwüstenregionen in Mexico, Namibia, Pakistan, im Südwesten von Nordamerika, auf Gran Canaria und in Portugal. Dass diese trockenheitsliebende Flechte aus Wüstengebieten nun ins niederschlagsreiche Tessin vorgerückt ist, verblüfft die Flechtenkundler. Die Funde aus dem Tessin sind weltweit die ersten veröffentlichten Belege dieser Flechtenart in einer humiden (feuchten) Klimazone. 2016 wurde die Flechte auch im Calancatal im südlichen Graubünden nachgewiesen. Die signifikante Klimaerwärmung der letzten Jahrzehnte im Süden der Schweiz könnte das Auftreten und Wachstum des Mehligen Buckelschildchens begünstigt haben.

Literatur: Bürgi-Meyer K. & Dietrich M. (2016): Ein weiterer Fund von Peltula farinosa Büdel auf dem europäischen Festland. Meylania 57: 35-44


Bildlegende: Mehliges Buckelschildchen (Peltula farinosa) auf Amphibolit-Felsen
Foto: © Karl Bürgi-Meyer


September 2016
Eine Laune der Natur − Baumnüsse mit dreigeteilter Schale

Baumnüsse − die Früchte des Waldnussbaums (Juglans regia) − sind beliebt und vielseitig verwendbar. Sie enthalten Vitamine, Kohlenhydrate, Mineralstoffe und Fette. Meist sind die Schalen und der Nusskern der Baumnüsse zweiteilig.

In der Literatur finden sich keine Erklärungen zu den abweichenden Schalen-Ausprägungen, ausser, dass es neben den zweiteiligen, ein-, drei und vierteilige Baumnussschalen gibt. Deshalb haben wir die Nüsse geknackt.

Herausgekommen ist folgendes:


Spar-Greif(Präparate: René Heim, Bild: Peter Spettig, NML)
Linke Bildhälfte: «Norm-Nuss» mit zwei Kernhälften; Rechte Bildhälfte: «Dreiteilige Nuss».
Die Symmetrie des Fruchtkerns ist unklar. Nimmt man den Fruchtkern aus der Schale, so erkennt man unterschiedlich grosse Teile. Die Schale weist innen eine unsymmetrische Kammerung auf. Setzt man die Fruchtkernteile zurück, so erscheinen eine grosse, verwachsene Hauptfruchtkernhälfte und ein Kümmerling.


Quellen: Die Nüsse mir der dreiteiligen Schale stammen von Heinrich Bachmann, Kunstmaler und Galerist in Luzern und Aarau (www.heinrich-bachmann.ch).
Mehr zur Beurteilung von Baumnüssen findet man unter: http://www.fructus.ch/sorten/walnuesse/index.html


August 2016
Römische Grabbeigabe (Ende 1. Jh. n. Chr.)

Die beiden Pferdegespanne aus Terrakotta stammen aus einer Brandbestattung des römischen Friedhofs in Sursee, der zwischen dem 1. bis ins 4. Jahrhundert genutzt wurde. Im Gegensatz zu einzelnen Terrakottapferdchen, die relativ häufig in römischen Bestattungen vorkommen, sind Pferdegespanne extrem selten. Das kleinere Pferdegespann mit Pferdeführer wurde - im Gegensatz zum grösseren - zusammen mit der verstorbenen Person und weiteren Beigaben auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dies ist an der Tonfarbe und dem Erhaltungszustand gut ersichtlich. Das grössere Pferdegespann wurde im Rahmen der Bestattungszeremonie erst am Schluss in das Grab gelegt. Pferde können als Symbol für die Reise ins Jenseits stehen. Entsprechende Darstellungen finden sich auf römischen Grabstelen und Sarkophagen.


Sammlung Kantonsarchäologie Luzern

Juli 2016
Eichhörnchen-Nest

Eichhörnchen-Nester werden auch Kobel genannt. Sie dienen den flinken Tieren sowohl im Winter als auch im Sommer als wetterfestes und windgeschütztes Zuhause. Dabei handelt es sich um hohlkugelförmige Bauten. Die Nester werden in hohlen Baumstämmen, an den Astgabeln von Baumkronen oder an abgehenden Ästen in der Nähe des Hauptstammes gebaut, normalerweise in Höhen über sechs Metern. Gerne nehmen Eichhörnchen auch verlassene Elstern- oder Habichtsnester an, die sie dann nach ihren Wünschen umgestalten. Im Unterschied zu Elsternester, die ähnlich aussehen, sind Eichhörnchenkobel immer blickdicht gebaut, während man bei Elsternnester teilweise durchblicken kann.
Der ausgewählte Kobel wurde nach einem Sturm am 7. Januar 2015 im Stechrainwald, Littauerberg, am Boden gefunden und zu uns gebracht. Die erstuntersuchende Museumspädagogin wurde dabei buchstäblich von hunderten ausgehungerten Flöhen angefallen und gestochen.
Der Durchmesser des Nestes beträgt etwa 30 bis 50 cm, während der Innendurchmesser bei 15 bis 20 cm liegt. Der Kobel wird aus Zweigen, Nadeln und Blättern errichtet, innen wird er mit Moosen, Blättern und Gras ausgepolstert. Er ist beinahe wasserdicht, durch die dicke Wandstärke bietet er im Winter einen guten Wärmeschutz. Die Kobel besitzen mindestens zwei Schlupflöcher, wobei eines davon immer nach unten weist, weil Eichhörnchen, anders als Vögel, von unten in ihre Behausung gehen. Der Bau eines Kobels dauert etwa drei bis fünf Tage. Da es recht häufig vorkommt, dass die Tiere wegen Parasitenbefall oder Störungen umziehen müssen, bauen sie zwei bis acht Nester und nutzen diese stets gleichzeitig. Dabei wird unterschieden zwischen Schlafkobeln für die Nacht und Schattenkobeln für Ruhephasen am Tage. Auch werden verlassene Höhlen von Spechten gern genutzt, ebenso verlassene Vogelnester als Fundament für den Kobel.


© Natur-Museum Luzern

Juni 2016
Schnecke mit Geschichte

In der Sammlung des Natur-Museums Luzern befindet sich seit Langem ein als Conus Aldrovandi Bro. von Lusitanien bezeichnetes Fossil. Dank detektivischem Gespür und genauem Hinsehen erhielt diese versteinerte Meeresschnecke eine genauere Geschichte. Anlässlich der aktuellen Sonderausstellung «Wie die Natur ins Museum kam - Vom Naturalienkabinett des Karl Nikolaus Lang (1670-1741) bis heute» konnte diese Versteinerung trotz unlesbar gewordener Objektnummer als rund 300 Jahre altes Sammlungsobjekt erkannt werden: Unter einer aufgeklebten Etikette sind noch Spuren der typischen, von Lang verwendeten roten Objektnummerierung erkennbar. Beim Vergleich mit den Abbildungen von Lang’s Sohn Beat Maria von 1738 war die Geschichte eindeutig - die rote Nummer war 1794 mit einer Etikette überklebt worden und im Lauf der Zeit ebenfalls unleserlich geworden. Irgendwann im ausgehenden 19. Jahr-hundert bestimmte dann der damalige Konservator Franz Joseph Kaufmann die Schnecke und schrieb die heute noch vorhandene Namensetikette. Anhand der darauf verzeichneten Nummer b.328 können wir sie noch dem Katalog von Karl Nikolaus Lang zuordnen: Er beschrieb die Schnecke einst als: „Cochlites longus spiris externe eleganter apparentibus…; Lusitanus“ - übrigens: Lusitanien ist eine ältere Bezeichnung für Portugal.


Im Jah
re 1738 zeichnete Beat Maria Lang die fossile Meeresschnecke aus Portugal.

Mai 2016
Die Wasserspitzmaus (Neomys fodiens PENNANT 1771)
Tier des Jahres 2016

Die Wasserspitzmaus lebt an kleinen bis mittleren Wasserläufen und stehenden Gewässern in der ganzen Schweiz und erbeutet seine Nahrung häufig tauchend und schwimmend. Sie bedient sich eines reichen Unterwasserbuffets - Insektenlarven, Kleinkrebse, Schnecken, Muscheln und gelegentlich auch kleine Fische gehören zu ihrer Lieblingsnahrung. Mit echten Mäusen ist die Wasserspitzmaus trotz ihres Namens übrigens nicht näher verwandt. Während Mäuse zu den Nagetieren zählen und sich vorwiegend pflanzlich ernähren, stammen Spitzmäuse aus der Ordnung der Insektenfresser. Ihre nächsten Verwandten sind Maulwürfe und Igel. Das Tier mit dem schiefergrau-schwarzen Fell ist die grösste von elf einheimischen Spitzmausarten und misst ohne Schwanz sechs bis zehn Zentimeter und ist zehn bis zwanzig Gramm leicht. Jeden Tag frisst sie etwa so viel, wie sie wiegt. Zwölf Stunden täglich ist sie mit der Futtersuche beschäftigt. Natürliche Ufer mit dichtem Bewuchs, unterspülten Bereichen, Baumwurzeln oder Steinblöcken bieten dem scheuen Kleinsäuger überlebenswichtige Deckung vor seinen Feinden wie etwa der Schleiereule, dem Reiher, dem Wiesel oder dem Fuchs. Die lautlose Gefahr stellen laut Pro Natura die Verbauung von Gewässern und Pestizide in Wasser dar, die aus der landwirtschaftlichen Produktion in die Bäche gelangen. Wegen dieser Bedrohung des Lebensraums hat die Naturschutzorganisation die Wasserspitzmaus zum «Tier des Jahres 2016» erklärt.


© Pro Natura


April 2016
Der Diagonaal (Lateinisch Anguilla anguilla diagonalis LINNAEUS 1758)

Der Diagonaal (Lateinisch Anguilla anguilla diagonalis LINNAEUS 1758) ist eine nur regional vorkommende Unterart des Aals aus dem Vierwaldstättersee, der unverständlicherweise im Lauf der Evolution beschlossen hat, sich nicht stromlininenförmig zu verhalten. Trotz seiner angepassten Körperform stellt er sich quer bzw. genauer gesagt schräg zur Strömung und passt daher nur diagonal in die Ausstellungsvitrine.
Aale werden einen halben bis zwei Meter lang und haben 100 bis 119 Wirbel, die nur schwach entwickelte Fortsätze haben. Charakteristisch ist ihre langgestreckte, schlangenförmige Gestalt. Der Körper ist walzenförmig und im Querschnitt rund, erst im hinteren Drittel, nach dem Anus, flacht er seitlich ab. Die Seitenlinie auf Kopf und Körper ist vollständig entwickelt. Rücken-, Schwanz- und Afterflosse sind zu einem durchgehenden Flossensaum zusammengewachsen. Allen Aalen fehlen die Bauchflossen, die Brustflossen sind dagegen gut entwickelt. Der Aal ist ein katadromer Wanderfisch, der im Süsswasser lebt und zum Laichen das Meer aufsucht. Während Lachse und Meerforellen den Hauptteil ihres Lebens im Meerwasser verbringen und zum Laichen die Flüsse aufwärts ziehen, ist das bei den Aalen genau umgekehrt. Sie leben meist im Süsswasser und suchen oft tausende Kilometer von ihrem Heimatfluss entfernt liegende Laichplätze auf. Dabei war die Wanderung der Aale jahrhundertelang ein Rätsel. Sie tauchten plötzlich als Jungaale an den Mündungen der Flüsse auf und schwammen in die Oberläufe, verblieben dort und kehrten dann als ausgewachsene Tiere zurück zum Meer. Über langjährige Studien mit Akustik- und Funksendern konnten die Europäischen Aale jedoch schliesslich zu ihren Laichplätzen in der Sargassosee verfolgt werden. Hier laichen die Aale und verenden danach. Aus den Eiern schlüpfen blattförmige Larven, die sich mit der Strömung nach Osten treiben lassen und so die Küsten Europas erreichen und in die Flüsse eindringen. Amerikanische Aale laichen ausser in der Sargassosee auch im Nordpazifik, die zahlreichen Aalarten Südostasiens im Indo-Pazifik.

©Natur-Museum Luzern


März 2016
Frühlingsboten

Das Leberblümchen (Hepatica nobilis), aus der Familie der Hahnenfussgewächse, gehört bei uns zu den bekannten Frühblühern. Viele freuen sich über die blaulila Blüten, die den Frühling ankündigen. Die Pflanze wächst an lichten Stellen in Wäldern und an Waldrändern auf kalkhaltigem Boden. Die Pflanze ist in der Schweiz regional geschützt! Seinen Namen verdankt das Leberblümchen der Blattform. Früher wurde die Pflanze als Heilpflanze eingesetzt. Auf dem sorgfältig präparierten, gut erhaltenen Herbarbeleg des Luzerner Stadtschreibers Anton Schürmann von 1856 ist die Blütenfarbe verblasst. Deshalb ist daneben noch ein frisch gepresstes Exemplar zum Vergleich zu sehen. Der alte Beleg ist Bestandteil des Herbarium Lucernense, der Sammlung gepresster Pflanzen aus dem Kanton Luzern und angrenzender Gebiete.

Herbarbeleg von Anton Schürmann von 1856 aus dem Schachenwald bei Kriens, © Natur-Museum Luzern

Februar 2016
Asiatischer Marienkäfer

Der Asiatische Marienkäfer (Harmonia axyridis) stammt ursprünglich aus Nordostasien und wurde ab 1982 in Europa (aber nicht in der Schweiz) als biologisches Bekämpfungsmittel in Gewächshäusern eingeführt. Diese Art konnte aber sich in kurzer Zeit im Freiland ausbreiten und auch vermehren. Freilandfunde wurden sukzessiv in Deutschland, Belgien, Holland, Grossbritannien, Luxemburg, Nord-Frankreich und auch in Österreich und Südost-Frankreich gemeldet. In den USA gilt sie seit 1988 als etabliert und verbreitet sich immer mehr; sie wurde auch in Kanada, Brasilien und Argentinien gemeldet. In der Schweiz wurde sie erstmals in 2004, in Basel, im Freien gesichtet. Aus verschiedenen Gegenden in der Zentralschweiz sind im Herbst 2008 Massenansammlungen von Marienkäfern bekannt geworden. Die rund-ovalen und stark gewölbten Käfer sind 5-8 mm lang und variieren stark in ihrer Färbung. Orange gefärbte Käfer mit bis 19-21 Punkten sind am häufigsten, es gibt jedoch auch Käfer mit schwarzer Grundfärbung und orangefarbenen oder roten Punkten. Bei den orangefarbenen Exemplaren ist auf dem Halsschild von Hinten her ein grosses M zu erkennen. Die Larven und die Erwachsenen ernähren sich hauptsächlich von Blattläusen aber auch von anderen weichhäutigen Insekten (Schildläuse, Mottenschildläuse, Blattkäfer, Rüsselkäferlarven, Schmetterlingsraupen und auch Marienkäferlarven von anderen Arten), Milben, Pollen und Nektar. Einheimische Marienkäferarten, die ebenfalls eine grosse Bedeutung als Blattlausvertilger haben, werden vom Asiatischen Marienkäfer gefressen und zurückgedrängt. Manchmal kann sich der Asiatische Marienkäfer von Traubenbeeren ernähren. Bei Gefahr sondern sie eine gelbe, übel riechende Flüssigkeit ab. Wenn zu viele Käfer mit den Trauben gepresst werden, wird der Geschmack des Weins unangenehm verfälscht. Der Asiatische Marienkäfer ist jedoch überhaupt keine Gefahr für den Menschen und dank seiner Gefrässigkeit ist er als biologisches Bekämpfungsmittel besonders gut geeignet. Aber Asiatischen Marienkäfer verdrängen durch ihre starke Ausbreitung einheimische Marienkäfer-Arten und gefährden diese in ihrer Existenz. So, nicht alle Marienkäfer bringen Glück sondern manchmal auch neue Herausforderungen.

©Natur-Museum Luzern

Januar 2016
Vom Himmel gefallen …

Schätzungen zufolge fällt pro Jahr über 1000 Tonnen Gesteinsmaterial aus dem All auf unsere Erde, der grösste Teil davon in Form von Staub. Nur etwa 5 Mal jährlich werden solche Ereignisse weltweit beobachtet. Ob dann die Zeugen aus dem Weltraum auch gefunden werden, hängt von ihrer Grösse, Beschaffenheit, Aussehen und vom Ort ab. Oft werden diese Meteorite in Sand- oder Eiswüsten entdeckt, wo sich ihr Aussehen deutlich vom Umgebungsgestein unterscheidet. So stammt auch unser «Objekt des Monats» aus der Atacama-Wüste in Chile bei Vaca Muerta. Der so genannte Mesosiderit ist ein kleines Stück eines beim Eintritt in die Erdatmosphäre zersprengten Stein-Eisen-Meteorites von mindestens 3.8 Tonnen Gewicht. Es wurde im Jahr 1861 gefunden und wegen den glitzernden Metalleinschlüssen zunächst als Hinweis für ein (irdisches) Silbererzvorkommen gehalten.


©Natur-Museum Luzern


Dezember 2015
Augsburgerbär

Der Augsburgerbär (wissenschaftlich Pericallia matronula) ist kein Säugetier, sondern ein Nachtfalter aus der Familie "Bärenspinner" (Arctiidae), der zum ersten Mal in der Umgebung von Augsburg gefunden worden ist. Diese schöne, grosse Art ist nachtaktiv, weshalb nur wenigen Menschen das Glück gewährt wird, sie einmal irgendwo zu erblicken. Aber der Augsburgerbär ist in der Schweiz auch nur wenig verbreitet, so fehlt er z.B. in der Südtälern der Alpen, im Wallis und im Engadin sogar völlig. Die grosse, braune, stark behaarte Raupe, die sich mit verschiedenen krautigen Pflanzen ernährt, sieht wirklich wie ein kleines Bärchen aus. In der freien Natur dauert ihre Entwicklung normalerweise zwei Jahre lang, wobei sie zwei Winter unter Falllaub oder Erde irgendwie überleben muss. Natürlich gehen dabei etliche zugrunde, die kräftigsten bleiben aber am Leben und sorgen für die Erhaltung der Art. Die Verpuppung erfolgt im Frühjahr, und im Juni-Juli fliegen dann die Falter, die jedoch nach der Paarung und Eiablage nach wenigen Tagen oder Wochen sterben. In der Umgebung von Luzern war der Augsburgerbär auch früher schon bekannt, vor allem aus dem Gebiet Lopperberg und Bürgenberg, wo einige Schmetterlingsforscher gelegentlich Raupen gefunden haben. Obwohl in den letzten Jahrzehnten die Nachtfalter von zahlreichen Lebensräumen der Zentralschweiz im Rahmen von mehreren Forschungsprogrammen gründlich untersucht wurden, ist diese Art nur an wenigen Orten zum Vorschein gekommen. Dabei hat sie sich jedoch bei Gersau SZ oder Isleten UR sogar als ziemlich häufig entpuppt.


November 2015 (2)
Neue Vogelart entdeckt in Luzern!

Der Spar-Greif
Buteo spartanicus ssp. lucernensis

Am 1. November 2015 gelang Mitarbeitenden des Natur-Museums Luzern der Nachweis einer für Luzern neuen Vogelart. Es handelt sich um einen Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen. Der Spar-Greif wurde in den letzten Jahren in der Zentralschweiz immer wieder gesichtet, konnte jedoch bis anhin nicht ausreichend beschrieben werden.
Als Jäger an der Spitze der Nahrungskette reagiert der Spar-Greif besonders empfindlich auf sich ändernde Umweltbedingungen. Schon ein 6%iger Rückgang des Nahrungsangebots hat zur Folge, dass der Spar-Greif Deformationen aufweist und sich nicht mehr um sich und seine Nachkommen kümmern kann. Mit anderen Worten: Kaum entdeckt, schon gefährdet!

Dazu die Erstbeschreiber: Auch wir sind «die Verwaltung». Auch das Natur-Museum Luzern ist von den Sparmassnahmen betroffen und muss Leistungsabbau durchführen.

Spar-Greif
©Natur-Museum Luzern

 

November 2015
Silberdistel aus dem Herbarium Lucernense

Die Silberdistel (Carlina acaulis) ist allen Herbstwanderern wohl bekannt. Sie gehört zur Familie der Korbblütler und blüht im Spätsommer/Herbst auf mageren Bergwiesen und -weiden. Die Blütenblätter sind sehr robust und lange haltbar. Deshalb kann man die Blüten bis zum ersten Schnee sehen. Das besonders schöne Exemplar stammt aus dem "Herbarium Lucernense". Es wurde vor gut 150 Jahren von Jakob Robert Steiger gepresst und hat bis jetzt nichts von seiner Schönheit verloren. Der Beleg zeigt, dass Pflanzen, die gut getrocknet und sorgfältig gepresst wurden, Hunderte von Jahren erhalten bleiben. Sie dienen als Grundlage für die wissenschaftliche, botanische Forschung. Jakob Robert Steiger, Arzt und Politiker, schrieb 1860 die erste "Flora des Kantons Luzern, der Rigi und des Pilatus". Die 1985 von der Naturforschenden Gesellschaft Luzern (NGL) herausgebrachte "Flora des Kantons Luzern" konnte damit auf eine fundierte Grundlage zurückgreifen. Das Steigersche Herbarium wurde 1862 dem Natur-Museum übergeben und ist Bestandteil des "Herbarium Lucernense", der Sammlung von gepressten Pflanzen aus dem Kanton Luzern.


©Natur-Museum Luzern

Oktober 2015
Alles Quarz …
Das wohl bekannteste Mineral - der «Kristall der Kristalle» - kommt in unterschiedlichen Ausprägungen, Formen und Farben vor. Es bildet die Grundsubstanz von vielen «schmucken» Steinen, vom glasklaren Bergkristall zum geschwärzten Rauchquarz bis zum violetten Amethyst oder den bunten Achaten und Opal. Der frühere ehrenamtliche Konservator Rudolf Rykart (1920-2010) sammelte die Vielfalt des Quarzes und ergänzte die Mineralogische Sammlung des Natur-Museums Luzern um aussergewöhnliche und besondere Fundstücke. Viele Objekte aus dieser Spezialsammlung dienten Rudolf Rykart als Vorlage für die Beschreibung in seinem Gesamtwerk über den Quarz. Diese «Quarz-Monographie» ist bis heute eine der vollständigsten Zusammenfassungen der Eigenheiten des «Parademinerals» der Alpen.


Quarz der Wahl (v.l.n.r): Amethyst auf Chalcedon, Brasilien; Bergkristall, Camperio (TI); Achat in sternförmigem Schrumpfungsraum, Polen; Milchopal in Mandelraum, Türkei; Rauchquarz in Glimmerschiefer, Val Medel (GR)
©Natur-Museum Luzern

August und September 2015
Ein alpiner Moosbecherling (Lamprospora lutzina Boudier)
Im August 2010 waren Kilian Mühlebach vom Natur-Museum Luzern und Ueli Graf von der Mykologischen Gesellschaft Luzern am Oberalppass unterwegs, um bestimmte Schlauchpilze zu suchen. Beim Absuchen einer Quellflur leuchteten orangerote Fruchtkörperchen aus dem Moos. Sie gehörten zum Lutzchen Moosbecherling (Lamprospora lutzina), der bisher in der Schweiz noch nicht nachgewiesen werden konnte - ein Erstfund für die Schweiz also.
Die Moosbecherlinge sind Pilze aus der Familie der Pyronemataceae Feuerkissenverwandte. Das besondere Merkmal dieser echten Schlauchpilze ist der Mechanismus der Öffnung des Schlauches. Das Schlauchende öffnet sich mit einem Deckelchen und gibt so den Weg frei für den Auswurf der Sporen. Zu den Moosbecherlingen gehören die drei Gattungen Lamprospora, Neotiella und Octospora. Alle Arten dieser Gattungen leben mit Moosen zusammen, die meisten als Parasiten. Parasitismus ist ein ausgeklügeltes Gleichgewicht in der Natur. Wenn ein Parasit alle Induvidien einer Art umbringt, gräbt er sich sein Grab selbst. Oft besteht die Bindung nur zu einer einzigen Moosart. So ist die hier vorgestellte Art nur mit dem Quellmoos Philonotis fontana vergesellschaftet. Obwohl dieses Moos im ganzen Alpenraum verbreitet vorkommt, vereinzelt sogar in der kollinen Stufe, sind nur ganz wenige Funde von Lamprospora lutziana bekannt. Die bisherigen Funde vor allem aus dem Norden Europas deuten auf eine arktisch-alpine Verbreitung. Nach den vorliegenden Funden scheint Lamprospora lutziana selten zu sein, obwohl es eine auffallende Art ist. Die Fruchtkörper wachsen gedrängt an der Oberfläche des Mooses und fallen mit der roten Farbe sofort auf. Zudem ist das Moos im Bereich des Pilzes abgestorben.

Fundort: Andermatt, Oberalppass auf einer Quellflur in Polstern des Quellmooses Philonotis fontana. Herbarbeleg im Natur-Museum Luzern, 2208-10 KM 1.

Juli 2015
Einzigartige Fossilien vom Pilatus
Vor fast 150 Jahren beschrieb der damalige Konservator des Naturalienkabinettes Luzern, Professor Franz Joseph Kaufmann, als einer der Ersten 1867 die geologischen Verhältnisse am Pilatus. In Band 5 der «Beiträge zur Geologischen Karte der Schweiz» erklärte er den damals bekannten Forschungsstand über die am Luzerner Hausberg vorkommenden Gesteinsschichten und deren Fossilinhalt. Unter den gefundenen Versteinerungen befanden sich auch Brachiopoden aus der Unteren Kreidezeit. Anhand von heute noch lebenden Vertretern dieser muschelartigen Weichtiere weiss man, dass diese so genannten Armfüsser meist fest verankert auf dem Meeresboden lebten und sich in wenig bewegtem Wasser von darin schwebenden Nahrungsteilchen ernährten. Die am Pilatus gefundenen Fossilien und Gesteine zeugen demnach von einer Zeit vor rund 130 Millionen Jahren, als der Untergrund der Zentralschweiz noch zu einem ausgedehnten Meer gehörte. Bereits 1864 hatte Isidor Bachmann entdeckt, dass gewisse Brachiopoden-Arten vom Pilatus der Forschung unbekannt waren und gab ihnen neue, wissenschaftliche Namen. Die hier gezeigten Tropeothyris pilati (Bachmann 1864) gehören zu den Erstfunden der neuen Brachiopoden-Art, die von Franz Joseph Kaufmann in seiner Publikation 1867 erwähnt wurden. Ein Stück davon könnte sogar das Referenzexemplar (Holotyp) der damals neuen Art sein.

Die in den 1860er-Jahren gefundenen Brachiopoden-Fossilien verdanken ihren wissenschaftlichen Namen Tropeothyris pilati (Bachmann 1864) ihrer Einzigartigkeit am Pilatus.
© Natur-Museum Luzern

Juni 2015
Eurasischer Fischotter − Lutra lutra (L. 1758)
Der Fischotter ist ein an das Wasserleben angepasster Marder, der zu den besten Schwimmern unter den Landraubtieren zählt. Er kommt in fast ganz Europa vor und wird einschliesslich Schwanz maximal 130 Zentimeter lang.
Das ausgestellte Tier ist ein gut einjähriges Männchen aus dem Tierpark Langenberg, das im September 2010 bei Rivalenkämpfen im Gehege verletzt wurde und eingeschläfert werden musste.
Präpariert von Philipp Bauer, Wetzikon, Ankauf des Präparates 2015.

Copyrigth: Natur-Museum Luzern


Mai 2015

Der Haussperling, Vogel des Jahres 2015 des SVS/BirdLife Schweiz

Der Haussperling ist ein typischer Kulturfolger. Aufgrund seiner Nähe zum Menschen ist er ein gutes Abbild der Art und Weise, wie wir mit unserer Natur umgehen. Selbst der anpassungsfähige Hausspatz – wie der Haussperling auch genannt wird – ist in gewissen Gebieten der Schweiz um über 40 % in seinen Beständen zurückgegangen. Es fehlt ihm zunehmend an geeigneten Nistplätzen und an Insektennahrung für die Aufzucht der Jungen.
Mehr unter: http://bit.ly/1Knx36Y


Copyright: Mathias Schäf

April 2015
Silbergrüner Bläuling
Die Bläulinge (Lycaenidae) sind eine Familie der Tagfalter, wobei viele dieser Arten als Falter blaue Farbe aufweisen, vor allem die Männchen. Etliche Arten sind aber auch braun, besonders viele Weibchen, und die roten Feuerfalter gehören wissenschaftlich ebenfalls zu dieser Familie.
Der Silbergrüne Bläuling (Polyommatus coridon) ist in der Schweiz ein von den ca. 57 Vertretern der Familie Lycaenidae. Die Oberseite des Männchens ist silbrig leuchtend grünlich blau, das Weibchen ist aber meistens braun mit orangen Randflecken auf den Flügeln. Die Unterseite ist dagegen wie bei den meisten Bläulingen mit kleinen, schwarz gekernten, weissen Augenfleckchen versehen. 
Diese Art lebt vor allem auf blütenreichen Magerwiesen, besonders gern an Berghängen, wo sie sogar bis über 2000 m anzutreffen ist. Die Raupe frisst an Kronwicke (Coronilla) und an Tragant (Astragalus). Der Silbergrüne Bläuling ist in der Schweiz sehr weit verbreitet, wo überhaupt noch natürliche Blumenwiesen existieren. Leider gibt es solche immer weniger, weil Mahd, Beweidung, Überdüngung oder Überbauung in den letzten Jahrzehnten viele Wiesen für die Art negativ verändert haben. Vor 100 Jahren war coridon eine der häufigsten Tagfalterarten der Schweiz. Heute ist sie aus dem Mittelland beinahe ganz verschwunden, aber auch im Jura und in den Voralpen selten geworden. Im Alpengebiet ist coridon jedoch mancherorts auch heute noch häufig.
Der Silbergrüne Bläuling ist das Insekt des Jahres 2015 für Deutschland, Österreich und die Schweiz.


Weibchen des Silbergrünen Bläulings © Natur-Museum Luzern


März 2015
Der Riese von Reiden - wiederentdeckt!

Im Februar 2013 thematisierten wir in dieser Rubrik den im Jahr 1577 in Reiden entdeckten Mammutfund und das einzige davon im Natur-Museum Luzern erhaltene Knochenbruchstück. Dieser Knochen war bis vor kurzem der alleinige kulturgeschichtliche Nachweis für den ersten Mammutfund in der Schweiz und für eine historische Besonderheit - den «Riesen von Reiden».
Wie bereits erwähnt, korrigierte der Göttinger Professor Johann Friedrich Blumenbach auf seiner Schweizerreise im Jahr 1783 das Bild von dem kräftestrotzenden Riesen: In seiner Publikation beschrieb Blumenbach die Überreste des Skeletts als «Elefantenknochen». Er erwähnte auch, dass der Fund mehrere Stücke umfasste und er «einige davon» für Vergleichszwecke erhielt. Wo waren aber all die übrigen Knochen des Riesen verblieben? Das Schicksal des «Riesen von Reiden» beschäftigte auch Adelheid Aregger, Journalistin und Präsidentin des Vereins Kultur und Kontakte in der Kommende. Zusammen mit ihrem Ehemann machte sie sich auf die Suche nach den verschollenen Knochen. Was lag da näher, als im Geowissenschaftlichen Institut der Universität Göttingen nachzufragen, wo die Hinterlassenschaft von Johann Friedrich Blumenbach aufbewahrt wird? Tatsächlich zeigte man dem Ehepaar Aregger einige Mammutknochen, von denen man weder die Herkunft noch die Geschichte kannte. Eine vergleichende Isotopenanalyse brachte 2014 schliesslich Gewissheit: In der Sammlung der Universität Göttingen liegen heute noch zwei Mammutknochen, die nach Zusammensetzung und Aussehen sehr gut zum in Luzern verbliebenen Knochenstück des «Riesen von Reiden» passen. Offensichtlich waren sie nach dem Vergleich bei Johann Friedrich Blumenbach verblieben. So sind heute vom historisch ältesten Mammutfund der Schweiz neu noch drei Knochen erhalten!


Der Mammut-Knochen des Natur-Museums
© Natur-Museum Luzern


Februar 2015
Remm's Graseule
Die Graseulen sind keine Vögel, sondern Nachtfalter aus der Familie der Eulenfalter (Noctuidae). Remm war ein estnischer Insektenforscher, auf seine Ehre hat diese Graseulenart ihren Namen erhalten. Ihr wissenschaftlicher Name lautet "Mesapamea remmi". Die Raupen der vielen verschiedenen Graseulen fressen, wie auch der Name dies verrät, an verschiedenen Gräsern. Manche von denen können an Getreide gelegentlich sogar schädlich werden. Die Raupen überwintern unterirdisch, und die Falter fliegen dann vor allem in den Sommermonaten. Sie sind nachtaktiv, können aber mit Licht angelockt werden. Die Arten der kleinen Gruppe (Gattung) "Mesapamea" sind einander sehr ähnlich, wir können sie nur nach dem Auspräparieren der Paarungsorgane unterscheiden. In Europa haben wir früher nur eine einzige Art (Mesapamea secalis) gekannt, bis Professor Remm im Jahr 1983 auch eine zweite entdeckt hat, die bis dann einfach übersehen bzw. für secalis gehalten worden ist. Er hat der neuentdeckten Art den Namen "Mesapamae secalella" gegeben. Bei weiteren Untersuchungen im Natur-Museum Luzern stellte es sich heraus, dass in dieser Gruppe auch noch eine dritte Art existiert, die im Jahr 1985 beschrieben wurde und den Namen "Mesapamea remmi" erhalten hat. Sie scheint ziemlich selten zu sein, bis heute sind jedoch aus mehreren Ländern Europas schon weit über 100 Exemplare bekannt geworden, die meisten davon (64) aus der Schweiz. Dieses ausgestellte Exemplar wurde bei Isleten im Kanton Uri gefunden.

©Natur-Museum Luzern


Januar 2015
Perowskit lässt Forscher träumen

Ein eher unscheinbares Mineral in der Geologischen Sammlung des Natur-Museum Luzern - der Perowskit - rückte im vergangenen Sommer unerwartet ins Interesse einer breiteren Öffentlichkeit. Vor mehr als 170 Jahren beschrieb der deutsche Mineraloge Gustav Rose 1839 erstmals das bis dahin unbekannte Mineral, welches er in einer Gesteinsprobe aus dem Ural entdeckt hatte. Der Perowskit ist ein relativ häufiges Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ mit der chemischen Zusammensetzung CaTiO3. Chemisch gesehen handelt es sich um ein Calcium-Titan-Oxid beziehungsweise Calciumtitanat, also eine Verbindung aus der Gruppe der Titanate. Es besitzt meist eine würfel- oder oktaederähnliche Form und eine metallisch wirkende schwarze bis rotbraune Oberfläche. Bereits Mitte der 1980er Jahre erreichte der Perowskit hohe wissenschaftliche Bedeutung bei der Entdeckung neuartiger keramischer Supraleiter. In diesen Tagen nun richtet sich das Augenmerk der Forschung erneut auf den kleinen Winzling. Vor rund 6 Jahren starteten die ersten Versuche, den Perowskit als Grundstoff zur Herstellung von Solarzellen heranzuziehen. Die anfänglichen Ergebnisse waren noch sehr bescheiden; 2009 erreichten Solarzellen auf der Basis von Perowskit gerade mal einen Wirkungsgrad von nicht einmal 4% und gaben nach wenigen Minuten ihren Geist auf. Aber bereits Anfang 2014 meldete die Wissenschaft, dass auf Perowskit basierende Solarzellen rund 18% der einfallenden Sonnenenergie nutzen konnten. Eine solche Leistungssteigerung in weniger als fünf Jahren brachte die Forschergemeinde im Sommer 2014 zum Träumen. Denn im Gegensatz zum üblicherweise verwendeten teuren Silizium, würde die Herstellung von Solarzellen auf der Basis von Perowskit nur noch einen Bruchteil kosten.

Beleg 4262: Perowskit, ein Mineral das Solarzellenforscher träumen lässt. Hier ein vor etwa 100 Jahren erworbenes Belegexemplar aus der Sammlung des Natur-Museum Luzern.
©Natur-Museum Luzern


Dezember 2014
Muff's Dickmaulrüssler

Gleich vier neue Käferarten für die Wissenschaft wurden aus den Alpen beschrieben, drei davon auch aus den Schweizer Alpen. Dies im Sonderband „Insecta alpina“ der wissenschaftlichen Zeitschrift Contributions to Natural History (http://www.nmbe.ch/publikationen-2003-2014). Die Entdeckungen wurden von Wissenschaftlern des Naturhistorischen Museums der Burgergemeinde Bern, der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften und des Natur-Museums Luzern gemacht und nun veröffentlicht. Bei den neuen Arten handelt es sich um klein- bis kleinsträumig verbreitete Endemiten des Alpenbogens. Eine dieser neuen Arten ist Muff's Dickmaulrüssler (Otiorhynchus muffi) aus dem Graubünden. Ein Paratypus dieser neuen Art ist in den entomologischen Sammlungen im Natur-Museum Luzern hinterlegt. Entdeckt wurde Muff's Dickmaulrüssler beim Bestimmen von Sammlungsbelegen aus verschiedenen Museen. Dabei konnte festgestellt werden, dass sich unter dem Namen Otiorhynchus subcostatus, welcher im Jahr 1866 von Gustav Stierlin aus Schaffhausen beschrieben worden war, eine weitere bis heute nicht erkannte Art versteckt hat. Diese konnte dank der Überprüfung der Typus-Exemplare der Stierlin'schen Art und der Festlegung eines Lectotypus nun beschrieben werden; benannt nach dem Biologen Patrick Muff, welcher die Art vor einigen Jahren auf der Alp Flix im Graubünden in grösserer Zahl gesammelt hatte. In einer Praktikumsarbeit wurde Muff's Dickmaulrüssler von Olena Domschke (Abteilung Illustration Nonfiktion, Hochschule Luzern) wissenschaftlich illustriert. Die Gattung der Dickmaulrüssler (Otiorhynchus) lässt Gartenbesitzer stets erschaudern, fressen doch Larven und Käfer viele beliebte Pflanzen an - und auf! Dass jedoch auch viele kleinverbreitete Gebirgsarten darunter sind, welche nie in den Gärten auftauchen werden, und sogar neue Arten bei uns in den Alpen
zu entdecken sind, ist weniger bekannt.


Abbildung GoldschirmfliegeAbbildung Goldschirmfliege

Habitus und Genitalstrukturen von Muff's Dickmaulrüssler (Otiorhynchus muffi)
© Olena Domschke


November 2014
Die Kragentrappe bei Malters

Am 18. November 1916 wurde auf den Wiesen zwischen Malters und Littau in der Nähe der Emme ein prächtiger, grosser Vogel gesichtet - und kurz darauf mit der Flinte geschossen. Der passionierte Luzerner Vogelkundler und Arzt Dr. Julius Troller berichtete im Ornithologischen Beobachter (1917, 14: 92), dass ihm dieser Vogel beim Präparator als Zwergtrappe zum Kauf angeboten wurde. Die vermeintliche Zwergtrappe entpuppte sich bei eingehender Prüfung aber als Kragentrappe (Chlamydotis undulata ssp. macqueenii), und zwar als prächtiges Männchen im schönsten Federschmuck. Herr Troller erwarb das Präparat kurzerhand für seine Sammlung. Die Kragentrappe wurde später mit den anderen Sammlungsstücken von J. Troller im Gletschergarten deponiert und gelangte 1988 in die wissenschaftliche Wirbeltiersammlung des Natur-Museums Luzern, wo sie bis heute aufbewahrt wird. In der Zwischenzeit wurde die Systematik der Kragentrappen überarbeitet und die Unterart C. u. macqueenii wurde in den Artstatus erhoben. Aus der bei Malters auf einer Wiese geschossenen Kragentrappe wurde nun eine Steppenkragentrappe (Chlamydotis macqueenii). Steppenkragentrappen sind Zugvögel, die von Ägypten bis zur Mongolei brüten und den Winter zwischen dem Persischen Golf und Pakistan verbringen. Aus der Schweiz liegen bis jetzt nur gerade drei anerkannte Nachweise von Steppenkragentrappen vor - einer davon ist dieses prächtige Männchen, das vor knapp hundert Jahren bei Malters geschossen wurde.

Die Steppenkragentrappe in der Wirbeltiersammlung des Natur-Museums Luzern.
© Natur-Museum Luzern


Oktober 2014
Orientalischer Mauerspinnentöter

Der Orientalische Mauerspinnentöter (auch als Orientalische Mauer- oder Mörtelwespe bekannt), Sceliphron curvatum, ist eine Grabwespe (Sphecidae). Die Art stammt aus Indien und Nepal und wurde in Europa erstmals in der Steiermark (Österreich) beobachtet. In der Schweiz ist sie im Sommer 1998 in Liestal (Baselland) erstmals gefunden worden. In Europa kommen weitere Arten derselben Gattung vor.
Der Orientalische Mauerspinnentöter könnte durch seine ähnliche Lebensweise die einheimischen Arten konkurrenzieren. Das auffälligste Spuren des Mauerspinnentöters sind seine aus Lehm gemauerten Brut-Tönnchen. Diese werden von den Wespen gebaut, mit gelähmten Spinnen gefüllt, mit einem Ei beschickt und wieder verschlossen. Die gelähmten Spinnen dienen den Larven als Frischnahrung. Die Brut-Tönnchen werden an den unmöglichsten Orten angebaut wie beispielsweise: Hemdkragen, Vorhänge (mehrfach!), Fensterrahmen, zwischen den Seiten eines Buches oder Vorfensterkissen. Vielfach werden die Tönnchen in Innenräumen gebaut und dies in kürzester Zeit. So berichteten Anrufer/-innen von maximal zwei Stunden Lüftungsdauer. Danach wurde das Fenster geschlossen und der Zugang für die Wespe war versperrt.
Die Anfrage zu gefundenen Brut-Tönnchen taucht jedes Jahr wieder in der Insektenbestimmung am Natur-Museum Luzern auf. Die Wespe selber wird allerdings weniger beobachtet.

Standort: Entomologische Sammlung Natur-Museum Luzern
©Vreni Kronenberg


September 2014

Muschelbänke versus Autobahn

Beim Bau des Reussporttunnels (1966-1974) für die Autobahn N2 wurden mehrere schräg geschichtete Gesteinslagen mit Muschelbänken durchfahren, so dass unzählige Einzel-Muscheln zum Vorschein kamen. Diese Muscheln waren vor rund 20 Millionen Jahren in einem tropischen Flachmeer abgelagert worden, welches in der so genannten Oberen Meeresmolasse (OMM) das Alpenvorland bedeckte. Sturmereignisse hatten zur Anhäufung der Muscheln in stattlichen Muschelhaufen bzw. -bänken geführt. Diese markanten Muschelbänke lassen sich heute im Fels zwischen Luzern und Ebikon relativ genau verfolgen, z.B. von der Fluhmühle über das Kantonsspital und entlang der Luzernerstrasse durch Ebikon bis zum Längenbold bei Root. Sie werden immer wieder bei Bauarbeiten aufgeschlossen. Solche Muschelfundstellen sind neben dem Reussporttunnel, das Kantonsspital, die Kleiderfabrik Rotsee, die Schachenweid, Schindler Ebikon oder die Überbauung Schmiedhof an der Luzernerstrasse. Josef Schnelli hat zwischen 1969 und 1973 zahlreiche schön erhaltene Einzelmuscheln gesammelt und dem Natur-Museum Luzern 1976 geschenkt. Die geologische Sammlung im Natur-Museum wird durch grosse Bruchstücke von Muschelbänken, die bei verschiedenen Bauarbeiten gesammelt wurden, ergänzt. In der Dauerausstellung Erdwissenschaften im 1. Stock sind verschiedene Einzelmuscheln und Muschelbank-Stücke zu sehen. Sie sind mit «Cardium commune», dem wissenschaftlichen Namen der Herzmuschel, angeschrieben. Die meisten ausgestellten Fundstücke stammen vom Reussporttunnel.

Schachtel mit Herz-Muscheln, die beim Bau des Reussporttunnels zum Vorschein kamen. Gesammelt von Josef Schnelli, aufbewahrt in der erdwissenschaftlichen Sammlung des Natur-Museums Luzern.
©Natur-Museum Luzern



August 2014

Die letzten ihrer Art: Paradiessittiche

Die beiden präparierten Vögel gehören zu den wertvollsten der gesamten Wirbeltiersammlung, lebende Exemplare ihrer Art gibt es keine mehr. Die Anzahl Präparate, welche in Museen weltweit sorgfältig aufbewahrt werden, lassen sich an zwei Händen abzählen. Aber alles schön der Reihe nach: Die zwei präparierten Paradiessittiche (Psephotus pulcherrimus) sitzen auf einem Ast in einem Plexiglaskasten, das Männchen besitzt ein leuchtend farbiges Gefieder, das Weibchen ist unauffälliger gefärbt. Das natürliche Verbreitungsgebiet des Paradiessittichs war klein und auf Ost-Australien beschränkt. Er lebte in Savannen und offenem Buschland und ernährte sich vor allem von Grassamen. Für die Aufzucht der Jungen baute der Paradiessittich spezielle Nesthöhlen in Termitenhügeln. Die letzte gesicherte Beobachtung von Paradiessittichen wurde Ende 1920er Jahre gemacht. Alle später gesichteten vermeintlichen Paradiessittiche entpuppten sich leider als andere, auf den ersten Blick ähnlich aussehende Arten, aber nicht als «wirkliche» Paradiessittiche. Die IUCN (International Union for Conservation of Nature) führt den Paradiessittich deshalb auf der Liste der ausgestorbenen Arten. Sein Aussterben wird mit verschiedensten Faktoren in Verbindung gebracht, wichtig waren u.a. Dürrezeiten und Überbeweidung, die zur Folge hatten, dass für den Grassamen pickenden Paradiessittich massiv weniger Futter zur Verfügung stand. Aber auch der Raub von Paradiessittich-Eiern, das Abholzen von Eukalyptus-Wäldern und die Einführung von nicht-einheimischen Arten dürften eine Rolle gespielt haben. Alles, was heute von dieser prächtigen Art übrig geblieben ist, sind neben ein paar alten Fotos und Berichten rund ein Dutzend präparierte Tiere in Museen auf der ganzen Welt. Unser wertvolles Paradiessittich-Pärchen gehört dazu. Wie dieses Pärchen den Weg ausgerechnet ins Natur-Museum Luzern gefunden hat verliert sich aber im Dunkeln der Geschichte und kann heute nicht mehr rekonstruiert werden.

Präparat des MittelmeersteinschmätzerDas Paradiessittich-Pärchen in der Wirbeltiersammlung des Natur-Museums Luzern.
©Natur-Museum Luzern


Juli 2014
Styx-Binse - ein Kleinod des Kantons Luzern

Die Styx-Binse (Juncus stygius) ist - so unscheinbar sie aussieht - eine Pflanze von Bedeutung für den Artenschutz im Kanton Luzern und der gesamten Schweiz. Die Moorpflanze gehört zur Familie der Binsengewächse. Sie wächst auf offenen, nährstoffarmen schlammig-torfigen Böden. Da man sie explizit suchen muss, um sie zu sehen, kennen sie vor allem Botaniker/innen. Nun ja, kann man da denken, was interessiert mich so ein kümmerliches Sauergras? Die Styx-Binse ist ein eiszeitliches Relikt und ein Zeugnis der wechselvollen Landschaftsgeschichte der letzten Jahrtausende. Während der Eiszeiten - die letzte ging vor ca. 10'000 Jahren zu Ende - war sie in der Schweiz in Moorgebieten verbreitet. Heute dagegen ist sie nur noch von zwei Fundorten im Kanton Luzern südwestlich von Sörenberg bekannt, da durch Entwässerung, Torfabbau sowie das Aufstauen des Sihlsees die übrigen Fundorte verschwunden sind. Die Art gilt in der Schweiz als vom Aussterben bedroht. Da die Styx-Binse ausser in Schweden und Finnland global sehr selten geworden ist, hat die Schweiz auch international eine grosse Verantwortung dafür, die letzten Lebensräume dieser Art zu erhalten. Im Kanton Luzern werden die Lebensbedingungen und die Populationsentwicklung der Styx-Binse vom kantonalen Naturschutz in einem Dauerbeobachtungsprojekt überwacht. Herbarien sind Archive des Lebens. In den Herbarien Lucernense und Generale der Botanischen Abteilung sind einige Belege der Styx-Binse vorhanden. Sie dokumentieren die früheren und heutigen Fundorte dieser Art und tragen dazu bei, das Wissen über die räumliche und zeitliche Veränderung der Artenvielfalt zu erhalten.


Abbildung Goldschirmfliege Abbildung Goldschirmfliege
Im Herbarium der Botanischen Abteilung gibt es einige Belege der Styx-Binse sowohl aus Sörenberg als auch aus der Region Einsiedeln, wo die Art bis zum Aufstauen des Sihlsees gefunden wurde.
©Natur-Museum Luzern



Juni 2014
Ein goldiges Jahr für die Goldschildfliege

Die Goldschildfliege Phasia aurigera (Diptera: Tachinidae) ist das Insekt des Jahres 2014 für Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Ein Kuratorium (für die Schweiz: die Schweizerische Entomologische Gesellschaft http://seg.scnatweb.ch/) wählt jedes Jahr aus zahlreichen Vorschlägen eine Insektenart aus. Mit dem Insekt des Jahres soll auf die weltweit artenreichste Tiergruppe aufmerksam gemacht werden, die allzu oft nur als schädlich oder zumindest lästig abgetan wird. Tatsächlich weisen Insekten die grösste biologische Vielfalt aller Lebewesen überhaupt auf, und entsprechend bedeutungsvoll ist ihre Rolle in der Natur.

Die Goldschildfliege ist mit 1 cm Körperlänge ziemlich groß und auffallend bunt gefärbt. Das Männchen hat rote Augen und orangefarbene Flügel, sein Rücken, der Schild, ist goldgelb. Daher der Name. Die Weibchen sind dagegen nicht so farbenfroh. Ihre Flügel sind durchsichtig gläsern. Sie haben zwar auch rote Augen, ansonsten ist ihr Körper schwarzbraun. Sie legen ihre Eier in die Larven von großen Wanzen, die an Pflanzen saugen. Die Fliegen selbst besuchen Blüten und ernähren sich von deren Nektar.

Man kann die Goldschildfliege von Ende Mai bis in den Oktober sehen, weil sie zwei Generationen pro Jahr entwickelt. Man kann sie in Waldgebieten finden, vor allem am Waldrand. Am häufigsten ist sie auf blühenden Hochstaudenfluren und Halbtrockenrasen bei der Nektaraufnahme zu beobachten.



Abbildung Goldschirmfliege

Die Goldschildfliege gehört zu den 10.000 Fliegenarten (7.068 in der Schweiz), die in Mitteleuropa leben
©Natur-Museum Luzern


Mai 2014
Flechten-Herbar im Museumskeller entdeckt

Vor kurzem wurde in der Flechtenabteilung des Natur-Museums Luzern eine kleine Flechtensammlung (Herbar) von der Rigi entdeckt. Sie umfasst etwa 50 Belege und stammt aus dem Jahr 1888. Recherchen ergaben, dass es sich bei dem Sammler um den berühmten französischen Lichenologen (Flechtenkundler) Abbé Julien H. Harmand (1844 - 1915) handelt. Auf welchem Weg das Herbar in die Flechtenabteilung gelangt ist, ist derzeit unklar. Das Herbar-Deckblatt vermerkt in lateinischer Sprache, dass Julien Hubert Harmand, ein Geistlicher der Diözese Nancy, Mitte August 1888 als Gast im Kapuziner-Hospiz auf Rigi-Klösterli seine Ferien verbrachte. Im Umkreis des dortigen Marienheiligtums beobachtete und sammelte er eifrig Flechten. Dieses Herbar stellt eines von mehreren historischen Zeugnissen über die Flechtenvorkommen des Rigigebietes dar. Heute geben uns diese Dokumente Aufschluss über Veränderungen der Flechtenvegetation an der Rigi. Aus Herbarzeugnissen des 19. Jahrhunderts wissen wir, dass die Lungenflechte und weitere mit ihr in feuchten, alten Laubmischwäldern vergesellschafteten Flechten (Lungenflechten-Gesellschaft) an der Rigi reichlich vorhanden gewesen sein mussten. Im Herbar von Abbé J.H. Harmand findet sich entsprechend ein Beleg einer Lungenflechte, die sogar Fruchtkörper (Apothecien) trägt. Im Herbar ist ausserdem die zur Lungenflechten-Gesellschaft zählende Löcherflechte (Menegazzia terebrata) enthalten. Heute kann die Lungenflechte auf der Rigi nur noch vereinzelt angetroffen werden. Intakte Lungenflechten-Gesellschaften scheinen an der Rigi verschwunden zu sein.


Präparat des Mittelmeersteinschmätzer

Präparat des Mittelmeersteinschmätzer

Herbar-Deckblatt (links) und Lungenflechte (Lobaria pulmonaria) (rechts) aus dem Herbar von J.H. Harmand
©Natur-Museum Luzern

April 2014
Das Stanserhorn in Bedrängnis

Die Gesteinsschichten am Stanserhorn entstanden vor Jahrmillionen als Meeresablagerungen in einem Urmittelmeer. Bei der Alpenfaltung wurden die verfestigten Gesteine im Laufe von mehreren Millionen Jahren von ihrem ursprünglichen Bildungsort abgeschert und allmählich an ihren heutigen Platz geschoben. Die darin eingeschlossen Fossilien zeugen heute durch ihre Form vom Einfluss der gewaltigen, damals herrschenden Schubkräfte. Das Gehäuse der versteinerten Ammoniten ist heute flach gedrückt und elliptisch in die Länge gezogen. Natürlich tut diese besondere ovale Form der Schönheit der Ammoniten keinen Abbruch. Die Quetschung der Ammoniten ermöglicht heute sogar, die Schubrichtung und die während der Alpenfaltung auf die Gesteinsschichten wirkende Kraft zu rekonstruieren.
Solch deformierte Ammoniten vom Kohlgraben (Stanserhorn) sind in der Dauerausstellung im 1. Stock ausgestellt.

Präparat des Mittelmeersteinschmätzer

Deformierte Ammoniten vom Kohlgraben (Stanserhorn) in der Dauerausstellung Erdwissenschaften.
© Natur-Museum Luzern

 

März 2014
Unsere Ältesten: Mittelmeersteinschmätzer und Zwergtrappe

Sie haben nicht nur ein paar Jahre, sondern sogar bald anderthalb Jahrhunderte auf dem Buckel: der Mittelmeersteinschmätzer (Oenanthe hispanica) und die Zwergtrappe (Tetrax tetrax) in unserer Wirbeltiersammlung. Die beiden Präparate teilen sich den ersten Platz im Ranking «Ältestes bekanntes Präparat der Wirbeltiersammlung»: Beide stammen aus dem Jahr 1866. Sowohl der Mittelmeersteinschmätzer als auch die Zwergtrappe blicken auf kuriose, leider nur lückenhaft überlieferte Geschichten zurück: Der Mittelmeersteinschmätzer ist ein Langstreckenzieher, der die Winter in den Dornsavannen südlich der Sahara verbringt. Im Sommer lebt er im Mittelmeergebiet und wagt sich nur sehr selten in nördlichere Gefilde vor. 1866 muss sich aber ein Mittelmeersteinschmätzer ins Tessin verirrt haben. Wo sich der Mittelmeersteinschmätzer im Tessin genau aufhielt, ob er tot aufgefunden oder gefangen wurde, lässt sich heute nicht mehr feststellen. So lautet der Fundort dieses Mittelmeersteinschmätzers in unserer wissenschaftlichen Sammlung nur kurz und bündig: «Tessin 1866». Von wem er präpariert wurde und über welche Umwege er in die wissenschaftliche Wirbeltiersammlung des Natur-Museums gelangte, liegt ebenfalls im Dunkeln der Geschichte. Bei der Zwergtrappe, dem zweiten aus dem Jahr 1866 stammenden Präparat, handelt es sich um ein ausgewachsenes Weibchen, der Fundort ist mit «Wolga-Gebiet» angegeben. Mehr als diese äusserst knappe Angabe ist auch zur Zwergtappe heute leider nicht bekannt. Wie bis vor etwa 30 Jahren üblich wurden höchst wahrscheinlich auch der Mittelmeersteinschmätzer und die Zwergtrappe im Rahmen ihrer Präparation vor gut 150 Jahren mit einem Arsenhaltigen Gift behandelt. Heute undenkbar, war dies damals aber eine gängige Methode, um die Präparate vor gefrässigen Insekten schützen. Der zweite Platz im Ranking «Ältestes Präparat der Wirbeltiersammlung» belegt übrigens der Spornkiebitz (Vanellus spinosus): «Fundort Wolga, Datum 1867». Viel mehr ist aber auch zu diesem Präparat leider nicht überliefert.

 

Präparat des Mittelmeersteinschmätzer

  Der Mittelmeersteinschmätzer, eines der beiden ältesten Präparate in der Wirbeltiersammlung.
© Natur-Museum Luzern
Präparat der Zwergtrappe
Die Zwergtrappe (ein ausgewachsenes Weibchen) stammt wie der Mittelmeersteinschmätzer aus dem Jahre 1866.
© Natur-Museum Luzern
 

Februar 2014
Sandstein mit Pflanzenversteinerungen aus Grönland

1908 besuchte der damalige Konservator des Naturhistorischen Museums Luzern (des heutigen Natur-Museums Luzern), Professor Dr. Hans Bachmann, mit einem Forschungsauftrag die Dänisch-Arktische-Station in Grönland. Während acht Wochen erkundeten er und sein Forscherkollege, Dr. Martin Rikli, als erste Schweizer die Küste von Westgrönland rund um die Insel Disko. Am 31. Mai 1908 verliessen die beiden Forscher Kopenhagen mit dem Dampfer „Hans Egede“ und erreichten das Grönländische Festland nach 13 tägiger Seereise. Von Godthaab (grönländisch Nuuk) ging die Fahrt weiter bis auf rund 70° nördliche Breite, wo Bachmann und Rikli am 28. Juni 1908 in der wenige Jahre davor gegründeten Dänisch-Arktischen Station in Godhavn (grönländisch Qeqertarsuaq) auf der Insel Disko Revier bezogen. In den kommenden Wochen bis zur Rückreise am 29. August 1908 widmeten sich Hans Bachmann und Martin Rikli in erster Linie botanischen und hydrobiologischen Studien, lernten aber auch Land und Leute und die Naturgeschichte Grönlands kennen. Noch heute zeugt eine umfangreiche Sammlung von Naturobjekten im Natur-Museum Luzern vom Erfolg der Grönlandreise von 1908. Nach seiner Rückkehr blieb Professor Bachmann in regem Kontakt mit dem Gründer und Direktor der Dänisch-Arktischen-Station, Magister Morten P. Porsild, der ihm eine praktisch vollständige Sammlung der grönländischen Vogelfauna ermöglichte. Von der Reise sind auch ein Herbar mit Pflanzen sowie mehrere Steine und Mineralien erhalten. Unter anderem zeugen Pflanzenversteinerungen aus der Tertiärzeit von einer klimatisch wärmeren Phase in der Naturgeschichte Grönlands vor rund 5 Millionen Jahren

Der Luzerner Käfer

Versteinerte Laubblätter im Sandstein von der Fundstelle Atanekerdluk, Westgrönland.
©Natur-Museum Luzern

Januar 2014
Der Luzerner Käfer

Unscheinbar braun und nur gerade mal 6 mm ist er - und trotzdem wurde er 1982 zu einer Berühmtheit: Er erschien mit Bild in unzähligen Zeitungen und im Fernsehen und sein Fund wurde am Radio diskutiert. Die Rede ist vom Luzerner Käfer, mit wissenschaftlichem Namen Malthodes lucernensis.

Die Geschichte des Luzerner Käfers beginnt in den 1970er-Jahren mit dem Insektenforschungsprogramm des Natur-Museums Luzern. Im Rahmen dieser Forschungsarbeiten wurden u.a. die Insekten im Hochmoor Balmoos bei Hasle (LU) untersucht. Zurück im Museum wurden die gesammelten Insekten fein säuberlich präpariert, bestimmt und in der entomologischen Sammlung aufbewahrt. In den Insektenfängen von 1975, 1977 und 1978 tauchte dabei je ein Exemplar einer kleinen, unscheinbaren Käferart auf, die noch nirgends beschrieben war. Vergleiche mit anderen, auf den ersten Blick ähnlichen Käfern ergab, dass es sich bei den Funden in Hasle um eine neue Art handeln musste. Ende 1981 wurden die Forschungsergebnisse zu diesen drei kleinen Käfern aus dem Entlebuch in der Zeitschrift «Entomologische Berichte Luzern» publiziert und der für die Wissenschaft neue Käfer ganz offiziell benannt. Er erhielt den Namen Malthodes lucernensis, oder kurz und bündig: Luzerner Käfer. Innerhalb der riesigen Ordnung der Käfer (Coleoptera) gehört er in die Familie Weichkäfer (Cantharidae), die ihren deutschen Namen auf Grund ihrer weichen, nur schwach chitinisierten Körper erhalten haben. Anlässlich der Jahrespressekonferenz des Natur-Museums Luzern 1982 wurde der Luzerner Käfer als Weltneuheit vorgestellt. Das Echo in den Medien war überwältigend und aus dem kleinen, unscheinbaren Käfer wurde nicht nur eine Weltneuheit sondern auch eine (kleine) Weltberühmtheit.

Der kleine Luzerner Käfer ist übrigens noch bis am 23. März 2014 bei uns in der Sonderausstellung «35 Jahre Natur-Museum Luzern am Kasernenplatz» zu bestaunen.

Der Luzerner Käfer

© Foto Natur-Museum Luzern

 

DEZEMBER 2013
Die Mondmilch vom Pilatus

Sie ist weich wie Butter, weiss wie Milch und war früher als Universalheilmittel heiss begehrt. Die Rede ist von der Mondmilch, die vor langer Zeit in einer Karsthöhle am Pilatus entdeckt wurde. Die Höhle, das Mondmilchloch, liegt auf der Südseite des Widderfeldes auf 1710 m ü. M. und führt über 100 m in den Pilatus hinein. Vor allem in der hinteren Hälfte des Mondmilchlochs findet sich der weisse, schwammige Niederschlag, die sogenannte Mondmilch. Diese entsteht, wenn kalkhaltiges Wasser die Höhlenwände entlang fliesst oder heruntertropft und weiche, poröse Kalzitablagerungen hinterlässt. Wird die Mondmilch aus der dunklen, feuchten Pilatushöhle an die frische Luft gebracht, trocknet sie ein und bildet eine mürbe, leichte und fast schwammige Substanz.

Lange wurde die Mondmilch in der Höhle am Pilatus und anderen Höhlen der Innerschweiz gewonnen und als Umschlag und Wickel bei fiebrigen Erscheinungen, Entzündungen, Kopfschmerzen, Halsbeschwerden und bei Müttern und Ammen zur Förderung des Milchflusses verwendet. Zu diesem Zweck wurde die Mondmilch mit Wasser zu einem Brei vermischt, dann aufgelegt und mit Tüchern verbunden. Auch innerlich wurde die Mondmilch verwendet: Dazu stellte man einen wässrigen Auszug her und benutzte diesen zum Trinken und Gurgeln. Das vielbegehrte Heilmittel wurde in den Apotheken als «Lac Lunae» gehandelt.

Der Luzerner Stadtarzt Karl Niklaus Lang (1670-1741) hat die Pilatushöhle selber erforscht und unterschied verschiedene Varietäten von Mondmilch, je nach Festigkeit, Farbe und anderen Eigenschaften. Karl Niklaus Lang beschäftigte sich neben seinem Beruf als Stadtarzt vor allem mit dem Sammeln von Versteinerungen und Pflanzen und ist der Gründer des eigentlichen Vorläufers des Natur-Museums Luzern: Er baute das «Museum Lucernense Langianum» auf und präsentierte in diesem Kuriositätenkabinett vorwiegend verschiedene Fossilien, Gehäuse von exotischen Meerestieren sowie getrocknete Pflanzen.


Natur-Museum Crew im Mondmilchloch, 1980 Natur-Museum Crew beim Mondmilchloch, 1980
Mondmilchproben in der erdwisschenschaftlichen Sammlung

Exkursion der Crew des Natur-Museums Luzern (von links: René Heim, Edy Felder, Peter Herger) zusammen mit dem Direktor des Gletschergartens (vorne links: Peter Wick) zum Mondmilchloch am Pilatus im Jahre 1980.
Die damals gesammelten Mondmilch-Proben werden heute in der erdwissenschaftlichen Sammlung aufbewahrt (unteres Foto).
© Natur-Museum Luzern



NOVEMBER 2013
Schneckenkönig

1995 entdeckte Toni Föhn in Rickenbach (SZ) das Häuschen einer Weinbergschnecke (Helix pomatia). Auf den ersten Blick kein spektakulärer Fund - auf den zweiten Blick entpuppte sich das Gehäuse aber als Sensation: Das Häuschen dieser Weinbergschnecke war nicht wie üblich rechtsgewunden, sondern linksgewunden. Solche seltenen Schnecken, deren Häuschen in die andere, nicht arttypische Richtung gewunden sind, bezeichnet man als «Schneckenkönige».
Wie sieht man aber einer Schnecke am einfachsten an, ob sie ein ganz normales Häuschen besitzt, oder ob es sich um einen sehr seltenen «Schneckenkönig» handelt? Am einfachsten betrachtet man dazu das Gehäuse mit nach vorne zeigender Mündung und nach oben zeigender Häuschenspitze (vgl. Foto unten). Liegt die Mündung rechts, handelt es sich um ein rechtsgewundenes Schneckenhaus; liegt die Mündung links, um ein linksgewundenes. Die Drehrichtung des Schneckenhauses ist genetisch festgelegt. Schneckenkönige finden sich übrigens nicht nur bei Weinbergschnecken, sondern auch bei anderen einheimischen Schneckenarten wie z.B. bei der häufigen Hain-Bänderschnecke (Cepaea nemoralis).

2009 brachte Toni Föhn seinen Fund aus Rickenbach ins Natur-Museum Luzern, wo der Schneckenkönig heute in der Dauerausstellung «Biologie» im 2. Stock zu sehen ist.
Seit der Eröffnung der Dauerausstellung «Biologie» im 2. Stock des Natur-Museums im Jahre 1984 nehmen wir sehr gerne Häuschen von Schneckenkönigen entgegen. Der Finderlohn beträgt seit eh und je CHF 5.- und der Schneckenkönig wird mit dem Namen des glücklichen Finders oder der glücklichen Finderin im 2. Stock ausgestellt. In den vergangenen bald 30 Jahren wurde aber nur dieses eine linksgewundene Häuschen einer Weinbergschnecke ins Museum gebracht; zwei weitere Schneckenkönige wurden in Schenkungen (Legaten), die das Natur-Museum erhielt, entdeckt.

Finderlohn und Ausstellungsgarantie bleiben auch in Zukunft unverändert. Deshalb: Gut gucken,  anders herum gedrehte Schneckenhäuschen mitnehmen und bei uns vorbei bringen. Wir freuen uns auf alle Schneckenkönige und die dazugehörenden Geschichten!

Schneckenkönig

Der Schneckenkönig von Toni Föhn in der Dauerausstellung «Biologie» im 2. Stock des Natur-Museums.


 

OKTOBER 2013
Der fossile Ammonit von Reussbühl

Josef Schnelli machte im September 1968 bei einem Spaziergang bei Reussbühl einen spektakulären Fund: Am Zusammenfluss von Kleiner Emme und Reuss entdeckte er in einem Geröll einen Ammoniten, der zwischen anderen Steinen gut verborgen am Ufer der Reuss lag.
Dieser Ammonit blickt auf eine unglaubliche Geschichte zurück: Der Urtintenfisch mit dem schneckenartigen Gehäuse lebte vor fast 200 Mio. Jahren, als Europa zu einem grossen Teil von einem flachen Meer (Tethys) bedeckt war. Nach dem Tod des Ammoniten sank seine Schale auf den Meeresgrund und wurde von feinem Kalkschlamm bedeckt, so dass der Schalenabdruck erhalten blieb. Anschliessend hat der auf diese Weise versteinerte Ammonit die Alpenfaltung überstanden und wurde aus dem mittlerweile verfestigten und zu Gebirge aufgetürmten Meeresgestein wieder herausgelöst. Von einem Fluss aus den Uralpen gespült, rundete sich das Gesteinsstück und wurde schliesslich zu einem Geröll eines neuen Gesteins, der Nagelfluh. Aus der Nagelfluh wurde das Geröll mit dem versteinerten Ammoniten  erneut herausgelöst und aus dem Napfgebiet von der Kleinen Emme flussabwärts getragen –  bis er in Reussbühl von Josef Schnelli am  Reusszopf gefunden wurde.
Ein Teil des Steins kann abgehoben werden (rechts auf dem Foto) – der Abdruck des Ammoniten kommt erst dann in seiner vollen Grösse zum Vorschein.
Josef Schnelli übergab den Ammoniten dem Natur-Museum Luzern. Heute wird der Ammonit in der erdwissenschaftlichen Sammlung aufbewahrt.

Der Durchmesser des fossilen Ammoniten beträgt 4.5 cm, der ganze Stein misst 13x6.5 cm.


Fossiler Ammonit aus Reussbühl (LU)

Dieser Ammonit wurde 1968 von Josef Schnelli am Reusszopf bei Reussbühl gefunden. Der Ammonit wird heute in der erdwissenschaftlichen Sammlung des Natur-Museums Luzern aufgewahrt.
© Natur-Museum Luzern

SEPTEMBER 2013
Sommer-Trüffel statt Würmer

Gut versteckt in der Dauerausstellung im 2. Stock, zuhinterst bei den Pilzen in der botanischen Abteilung, sind unten in einer Vitrine zwei gefriergetrocknete Sommer-Trüffel (Tuber aestivum) ausgestellt. Diese beiden schrumpeligen und - zugegeben auf den ersten Blick unspektakulären - Trüffelpilze haben eine besondere Geschichte hinter sich:

Patrick, der Sohn des Pilzspezialisten und langjährigen ehrenamtlichen Museumsmitarbeiters Rolf Mürner, ging vor über 30 Jahren während seiner Primarschulzeit oft mit einem Freund in der Liegenschaft Altstad am Meggerhorn fischen. Eines Tages gingen den beiden Buben beim Egli-Fischen die Würmer aus. Kein Problem - fanden sich doch unter einer Eiche am Ufer des Vierwaldstättersees problemlos genügend Würmer. Beim Graben in der Erde fand Patrick aber nicht nur Würmer, sondern auch schwarze, warzige Knollen, die einen eigenartig süssen Geschmack verströmten. Patrick kamen diese Knollen bekannt vor - hatte er doch Abbildungen von solchen warzigen Knollen in einem der Pilzbücher seines Vaters, nämlich im ersten Band «Pilze der Schweiz, Ascomyceten» von Breitenbach/Kränzlin, gesehen. Also packte er die Pilze ein und zeigte sie am Abend stolz seinem Vater: «Papi, heute habe ich unter einer Eiche bei Altstad sieben Sommer-Trüffel gefunden!» Der pilzkundige Vater war skeptisch, denn bis zu diesem Tag wurden in der Innerschweiz noch nie Sommer-Trüffel gefunden. Die nächsten bekannten Vorkommen lagen am Jura Südfuss und im südlichen Kanton Zürich. Bei genauem Hinsehen und Kontrollieren aller mikroskopischen Merkmale stand aber noch am selben Abend fest: Alles stimmte perfekt mit der Beschreibung im Buch überein, es waren tatsächlich Sommer-Trüffel!

Stolz nahm Rolf Mürner eine dieser Sommer-Trüffel am nächsten Montagabend mit zur Veranstaltung der Mykologischen Gesellschaft Luzern, dem örtlichen Pilzverein, und zeigte sie dort den Kollegen. Die Antworten kamen promt: «Das ist kaum möglich, denn bis heute hat man in der Innerschweiz noch nie Sommer-Trüffel gefunden, die nächsten Vorkommen sind erst am Jura Südfuss… » etc. Einige Kollegen nahmen dann einen Teil des vermeintlichen Sommer-Trüffels nach Hause, um ihn dort unter dem Mikroskop in Ruhe nachzuprüfen. Am nächsten Montag erklärten alle übereinstimmend: «Tatsächlich Sommer-Trüffel!»
Zwei der Knollen fanden später gefriergetrocknet den Weg ins Natur-Museum Luzern. So hatte ein Primarschüler das erste Mal Sommer-Trüffel in der Innerschweiz gefunden.


Sommer-Trüffel

Sommer-Trüffel (Tuber aestivum) wachsen vor allem unter Eichen- und Buchen. Sie erscheinen unreif ab Juni, reif ab September. Der Pilz ist aussen dunkelbraun bis fast schwarz, das Fruchtfleisch (oben ein aufgeschnittener Fruchtkörper) ist weisslich marmoriert.
© Paul Kathriner



AUGUST 2013

Der Luzerner Drachenstein

Die Geschichte des Drachensteins nimmt ihren Anfang an einem schwül-heissen Augusttag im Jahre 1421: Damals beobachtete der Bauer Stämpfli bei Rothenburg einen feurigen Drachen, der von der Rigi Richtung Pilatus flog. Der Drache liess etwas zur Erde fallen – worauf Stämpfli vor lauter Schreck in Ohmacht fiel. Nachdem sich der Bauer erholt hatte, fand er in der Nähe einen merkwürdigen runden Stein, den das Ungeheuer in einer «Schwetti» geronnenen Blutes fallen gelassen hatte.
Während Jahrhunderten zerbrachen sich gelehrte Männer über den Drachenstein den Kopf: Was verbarg sich hinter diesem «seltsamen und köstlichen Naturwunder»? Ein Meteorit, ein Quarzitgeröll oder schlicht eine handgeformte Tonkugel?
Bis Ende des 18. Jh. war der Luzerner Drachenstein eine Weltberühmtheit – dies nicht nur wegen seiner wunderlichen Herkunft, sondern auch wegen seiner angeblichen Wirkung gegen verschiedenste Gebrechen. So wird u.a. berichtet, dass der Drachenstein während der Pest im Jahre 1519 als Heilmittel verwendet wurde und grosse Wunder bewirkte.
Erst 2006 wurde das Geheimnis um die Entstehung des 250 g schweren, apfelgrossen Drachensteins gelüftet: Mit Hilfe der Computertomographie war es möglich, einen Blick ins Innere der steinernen Kugel zu erhalten, ohne den Drachenstein zu zerstören. Die Untersuchung zeigte, dass es sich beim Drachenstein in Tat und Wahrheit um eine bemalte Tonkugel handelt.
Die Untersuchung konnte aber nicht alle Fragen beantworten. Bis heute ungeklärt bleibt z.B., wieso die Zonen mit erhöhter Radioaktivität ausgerechnet im hellen Mittelstreifen der Kugel liegen. Und: Ist ein Meteoritenereignis in Zusammenhang mit der Beobachtung von Bauer Stämpfli tatsächlich auszuschliessen?

Pilatusdrache und Luzerner Drachenstein

Pilatusdrache und Luzerner Drachenstein auf einer Abbildung von Johann Leopold Cysat, Luzern 1661.
(Quelle: Zentral- und Hochschulbibliothek Luzern Sondersammlung)


Der Luzerner Drachenstein

Der Drachenstein ist in der Dauerausstellung «Erdwissenschaften» im 1. Stock des Natur-Museums ausgestellt.
© Natur-Museum Luzern



JULI 2013
Käfer mit 8 Beinen?

Edy Felder, Museumstechniker im Natur-Museum Luzern, unternahm am
7. August 1977 eine Wanderung auf dem Seelisberg. Bei Treib (UR) beobachtete er, wie eine Katze in einen Schacht fiel, aus dem sie nicht mehr alleine klettern konnte. Kurzentschlossen stieg er selbst in den Schacht und brachte die Katze wieder ans Tageslicht. Auf dem Grund des Schachts fiel ihm ein relativ grosser Käfer auf. Geistesgegenwärtig packte er den Käfer und nahm ihn ins Natur-Museum mit. Erst mehrere Monate später bemerkte man bei der Präparation des Käfers, dass etwas nicht stimmen konnte. Es stellte sich heraus,  dass es sich um ein extrem seltenes Exemplar handelte: Haben doch alle Insekten immer sechs Beine, besass dieser Käfer aus dem Schacht bei Treib nicht sechs sondern acht Beine. Das rechte hintere Bein war nicht nur einmal, sondern gleich dreimal ausgebildet.
Heute ist dieser achtbeinige Käfer in der Ausstellung «Wunderwelt Insekten» im 3. Stock des Natur-Museums in der Schublade «Käfer mit 8 Beinen?» zu bewundern.
Bei der Art handelt es sich übrigens um den Feingestreiften Laufkäfer (Carabus monilis), eine 2-3 cm grosse, wärmeliebende Art, die in der Schweiz in tieferen Lagen verbreitet ist.
Käfer mit 8 Beinen
Ein seltener Fund: Der achtbeinige Käfer ist in der Ausstellung «Wunderwelt Insekten» im 3. Stock des Natur-Museums in der Schublade «Käfer mit 8 Beinen?» zu bewundern.
© Natur-Museum Luzern


JUNI 2013
Öl-Fieber in der Schweiz

Erdöl in der Schweiz? Ja! Schon vor dem Zweiten Weltkrieg waren natürliche Erdölvorkommen in der Schweiz bekannt. Im grossen Stil danach gesucht wurde aber erst ab den frühen 1950er Jahren. Hauptsächlich in den 1950er und 60er Jahren, aber noch bis 1989 wurden im Schweizer Mittelland insgesamt 30 tiefere Bohrungen durchgeführt. Man hoffte, den Hunger nach Erdöl und Erdgas mit Hilfe von Schweizer Quellen stillen zu können. Während des Öl-Fiebers wurde u.a. im Jahr 1954 in Altishofen (LU) bis in eine Tiefe von 2’166 m gebohrt. Gefunden wurde rund 1'300 m unterhalb der Oberfläche aber keine ausgiebig sprudelnde Quelle, sondern ein kleines Erdölvorkommen, dessen Nutzung sich nicht lohnte.

In der erdwissenschaftlichen Sammlung des Natur-Museums Luzern findet sich neben anderen Ölfunden ein kleines, gut verschlossenes Fläschchen mit knapp 60jährigem Altishofer Erdöl aus einer Tiefe von ca. 1'300 m. Dieses Fläschchen ist noch bis am 20. Oktober 2013 in der Sonderausstellung «CO2 – Ein Stoff und seine Geschichte» zu sehen.


Erdölprobem in der Sammlung des Natur-Museums Luzern
Erdölproben in der Sammlung des Natur-Museums Luzern. In der grossen Flasche (Mitte) befindet sich Aarauer Erdöl von 1964. Die Flasche rechts davon (mit dem weissen Deckel) enthält eine Erdölprobe von Altishofen von 1954 und ist bis am 20. Oktober 2013 in der Sonderausstellung «CO2 – Ein Stoff und seine Geschichte» zu sehen.
© Natur-Museum Luzern



MAI 2013
Der ausgestopfte Frauenschuh

Botanikbelege, d.h. gepresste Pflanzen, sind eine zweidimensionale, trockene und oft nicht sehr farbenprächtige Angelegenheit. Um die Schönheit und Dreidimensionalität der Pflanzen etwas besser haltbar zu machen und zur Geltung zu bringen, wurde zu den verschiedensten «Tricks» gegriffen. Ein gutes Beispiel dafür ist ein Beleg im Herbar des Natur-Museums Luzern: Josef Aregger hat für die Kartierung der Flora des Kantons Luzern Pflanzen gesammelt und dabei im Mai 1957 in Romoos einen wunderschönen Frauenschuh gepflückt, gepresst und sorgfältig aufgeklebt. Um die gelben Pantoffeln der Orchidee optimal zur Geltung zu bringen, hat Josef Aregger sie sorgfältig mit Watte ausgestopft.
Der ausgestopfte Frauenschuh ist heute noch sehr gut erhalten. Die leuchtend gelbe Farbe ist im Laufe der Jahre zwar etwas ausgeblichen, aber die filigrane Aderung des Schuhs zeichnet sich vor der Watte wunderschön ab.
Übrigens: Botanisch gesehen handelt es sich beim gelben Frauenschuh nicht um ein filigranes Schuhwerk, sondern um ein bauchig aufgeblasenes Blütenblatt, die  sogenannte Lippe.

Der prächtige einheimische Frauenschuh war früher in lichten Wäldern und an Waldrändern des Kantons Luzern vielerorts anzutreffen. Heute ist die Art sehr selten geworden und ist wie alle anderen Orchideen national geschützt. Das heisst das Pflücken, Abreissen von Blüten, oder gar Ausgraben von Pflanzen ist streng verboten.

Josef Aregger war von 1961-1975 Direktor des Natur-Museums Luzern (damals hiess das Museum noch «Naturhistorisches Museum Luzern»). Er hat sehr viele Pflanzen-Belege aus Luzern gesammelt und war massgeblich am Buch «Flora des Kantons Luzern» (1985) beteiligt.
Die ältesten Herbarbelege im Natur-Museum Luzern sind rund 200 Jahre alt. Sofern diese Pflanzen sorgfältig gesammelt, gepresst und aufgeklebt wurden, sind sie immer noch sehr gut erhalten.


Der ausgestopfte Frauenschuh im Herbar des Natur-Museums Luzern

Der Frauenschuh (Cypripedium calceolus) mit ausgestopften Pantoffeln. Der Beleg ist Teil des Herbarium Lucernense im Natur-Museum Luzern.
© Natur-Museum Luzern



APRIL 2013

Uralte fossile Eier: ein seltener Fund in der Emmenweid

Der Direktor der von Moos’schen Eisenwerke, Heinrich Meier-Dotta, liess in den 1870er Jahren Kanalbauten in der Emmenweid (Gemeinde Emmenbrücke bei Luzern) ausführen. Bei diesen Arbeiten wurden Molasse-Ablagerungen angeschnitten. Dabei kamen nicht nur verschiedenste fossile Schneckenhäuser und Muschelschalen zum Vorschein, sondern im abgetragenen Material steckte sogar ein ganzer fossiler Eierhaufen, bestehend aus mehreren, mehr oder weniger gut erhaltenen fossilen Eiern.
Solche Funde von uralten, fossilen Eiern sind sehr selten. Vergleiche mit verschiedenen Vogel- und Reptilieneiern legen nahe, dass eine Ente die knapp 4x5 cm grossen Eier vor rund 10 Mio. Jahren (Obere Süsswasser Molasse, OSM) abgelegt haben muss. Zu welcher Entenart die Eier gehören, bleibt aber nach wie vor im Dunkeln – in der Molasse fehlen jegliche Spuren von Vögeln.

1909 schenkte Direktor Meier-Dotta die fossilen Enteneier dem Naturhistorischen Museum Luzern, wie es damals genannt wurde. Seit der Wiedereröffnung des Natur-Museums 1978 am Kasernenplatz sind die uralten Enteneier in der Dauerausstellung Erdwisschenschaften im 1. Stock zu sehen.


Skizze fossile Enteneier

Zeichnung der fossilen Eier in den «Abhandlungen der Schweizerischen paläontologischen Gesellschaft» (Isidor Bachmann, 1878)


Fossile Enteneier

Die fossilen Enteneier in der Dauerausstellung Erdwissenschaften im Natur-Museum Luzern.
© Natur-Museum Luzern



MÄRZ 2013
Wie der Wolf den Weg ins Natur-Museum fand

Ein lange gehegter Wunsch von uns war, im Natur-Museum das Präparat eines Wolfes zu zeigen. Doch wie kommt man zu einem toten Wolf, der sich präparieren und im Museum ausstellen lässt?
Der Zufall kam uns zu Hilfe: Im Jahr 2002 musste im Tierpark Goldau eine junge Wölfin aus dem Rudel entfernt und eingeschläfert werden. Die kleine Wölfin war das rangniederste Tier, sie wurde von den anderen Wölfen drangsaliert, gebissen und vom Rudel ausgeschlossen. Die tote Wölfin kam als Geschenk des Tierparks Goldau ins Natur-Museum Luzern. Die Haut wurde abgezogen und fachgerecht gegerbt, wichtige Teile des Kadavers wurden eingefroren. Da keine der im Handel erhältlichen Polyurethan-Hartschaumkörper zu unserer kleinen Wölfin passten, modellierte unser Präparator René Heim in aufwendiger Technik selbst eine passende Form. Nach der Herstellung des Negativs wurde die Hohlform mit PU-Schaum ausgeschäumt. Nach der Fellanprobe wurden die letzten Anpassungen vorgenommen, das Fell aufgeklebt und vernäht und nach dem Trocknen der Haut das Präparat geschminkt und retouchiert.
Seit Anfang 2010 ist nun die präparierte Goldauer Wölfin in der Dauerausstellung Biologie im 2. Stock des Natur-Museums zu bewundern. Durch die sorgfältige Präparation ist aus der kleinen, mit Bisswunden übersäten Wölfin ein wahrer Star der Ausstellung geworden.

Die Wolfvitrine wird durch einen Touchscreen mit umfassenden Hintergrundinformationen zum Thema Wolf, einem Stück Wolfsfell zum Anfassen, Wolfspuren sowie mit Wolfsgeheul «auf Knopfdruck» ergänzt.

Negativform

Vom modellierten Körper wurde eine Negativform erstellt…


Grundform

… ausgeschäumt mit PU-Schaum ergab diese Hohlform die Grundform, auf welche das Fell geklebt und vernäht wurde.


Wolfvitrine in der Dauerausstellung Biologie

Die Wolfvitrine in der Dauerausstellung Biologie.
© Fotos: Natur-Museum Luzern


FEBRUAR 2013
Der Riese von Reiden

Im Jahre 1577 wurde unter einer grossen umgestürzten Eiche in Reiden (LU) ein spektakulärer, 55 cm langer und 2.5 kg schwerer Knochen gefunden. Der Knochen gab ein Rätsel auf, da er keinem bekannten Tier zuordnet werden konnte und für einen Menschenknochen definitiv viel zu gross war.
1584 erklärte der berühmte Stadtarzt und Gelehrte aus Basel, Felix Platter, dass der Reider Knochen einem riesigen Menschen gehört haben musste. Auf Grund der Länge des gefundenen Knochens schätzte er den Riesen von Reiden auf eine sagenhafte Grösse von 5.6 m.
An dieser Knochenbestimmung und Grössenschätzung des Riesen von Reiden wurde lange Zeit nicht gerüttelt. Die Reider und mit ihnen auch die Luzerner waren mächtig stolz auf ihren riesengrossen, legendären Vorfahren. Sogar auf der Kapellbrücke in Luzern wurde dem Riesen von Reiden ein Denkmal gesetzt: Das erste Brückenbild beim Eingang der Kapellbrücke auf dem linken Reussufer (Seite Stadttheater) zeigt den Riesen, wie er in seiner rechten Hand eine ausgerissene Eiche hochhält.
Der Riese wurde auch auf der Fassade des Rathausturmes in Luzern verewigt und zeigte ihn als im Gras liegenden Giganten, mit einem Lendenschurz bekleidet und einem Blätterkranz auf dem Kopf. Leider ist diese Abbildung heute nicht mehr zu sehen – 1863 wurde das Bild des Riesen ersetzt. Und 1924 wurden schliesslich alle Bilder des Turmes mitsamt Verputz entfernt, damit das Mauerwerk sichtbar wurde.

Die sagenhafte Geschichte des Riesen von Reiden begann 1799 zu bröckeln, als Professor Johann Friedrich Blumenbach von der Universität Göttingen den Knochen als Stück eines Mammut-Schulterblatts bestimmte. Diese 2.8-3.4 m hohen und bis zu vier Tonnen schweren Tiere lebten während der Eiszeit u.a. im Wiggertal und Napfgebiet.
Auch wenn sich die erste Interpretation des Knochens als falsch erwiesen hat, bleibt der Fund bis heute spektakulär: Der grosse Knochen war der erste Mammutfund in der Schweiz.

Heute wird der Mammutknochen in der Fossilien-Sammlung des Natur-Museums Luzern aufbewahrt; ein Duplikat des Riesenknochens befindet sich in der Kommende Reiden.

Mammutknochen "Riese von Reiden"

Der 55 cm lange Mammutknochen wird in der Fossilien-Sammlung des Natur-Museums Luzern aufbewahrt.
© Natur-Museum Luzern

Gibelbild Kapellbrücke "Riese von Reiden"

Das Brückenbild Nr. 1 der Kapellbrücke mit dem baumschwingenden Riesen von Reiden. Das Bild hat den Brand der Kapellbrücke 1993 unbeschadet überstanden.
Fotografen: Urs und Theres Bütler, Luzern
© Stadtarchiv Luzern, F2a/BRÜCKEN/24.12.03

 

JANUAR 2013
Der Käfer im Glühweinbecher

Auf dem Weihnachtsmarkt lässt sich ein Ehepaar feinen Glühwein ausschenken. Er wirft vor dem Ausschank einen schnellen Blick in den leeren Einweg-Becher, der eben aus der verschweissten Grosspackung genommen wurde – und entdeckt auf dem Becherboden einen 3,5 cm langen, auffälligen Käfer. Nach dem ersten Staunen und Rätseln wird der tote Käfer vom Ehepaar sorgfältig verpackt und später zum Bestimmungsdienst ins Natur-Museum Luzern gebracht – und der Glühwein wird selbstverständlich aus einem anderen Becher genossen.
Im Natur-Museum bestimmt der Entomologe Christoph Germann den Käfer als Carabus smaragdinus, eine grosse Laufkäfer-Art, die in China und Korea heimisch ist. Es ist anzunehmen, dass das grosse Tier mit den Einweg-Plastikbechern verschleppt und so seinen Weg bis auf den Weihnachtsmarkt gefunden hatte…
Heute ist der Käfer Teil der Sammlung des Bestimmungsdienstes im Natur-Museum Luzern.


Carabus smaragdinus
Carabus smaragdinus Fischer von Waldheim
© Natur-Museum Luzern
 
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